Ohren auf Klassik

Royale Tänze und vier unorthodoxe rote Priester

Feuilleton | Miriam Damev | aus FALTER 37/15 vom 09.09.2015

Ende Februar 1653 wurde im Louvre das barocke Spektakel "Ballet Royal de la Nuit" uraufgeführt. Ludwig XIV. selbst tanzte im Kostüm der Sonne, die auf ewig mit seinem Namen verbunden bleiben sollte. Wenig später geriet das Stück in Vergessenheit und wurde seither nie wieder aufgeführt. Pünktlich zum 300. Todestag des Königs hat es Sebastien Daucé, der Dirigent, Musikologe und Gründer des Ensemble Correspondances, musikalisch rekonstruiert und teils neu komponiert. Wie gut dieses Abenteuer gelungen ist, lässt sich auf dem Doppelalbum "Le Concert Royal de la Nuit" (HM) nachhören, inklusive üppig bebilderten Booklets.

Eine Einladung zum barocken Headbangen sind die Auftritte des vierköpfigen britischen Alte-Musik-Ensembles Red Priest. Mal werden da Raritäten aus den Archiven geholt, mal Barockhits ordentlich gegen den Strich gebürstet. Nun haben Piers Adams (Blockflöte), Julia Bishop (Geige), Angela East (Cello) und David Wright (Cembalo) im Turbo-Cabrio Platz genommen und Händels berühmten "Messias" für vierstimmigen Satz neu arrangiert. Herausgekommen ist das Album "Handel in the Wind" (RPR/Gramola), auf dem die roten Priester wieder einmal herrlich unorthodox und lässig musizieren.

Ungleich galanter lässt es sich zu "Smith & Handel" (Chandos) tanzen. Im Mittelpunkt des Albums steht die Musik von John Christopher Smith, der nicht nur Händels langjähriger Adlatus, sondern selbst ein talentierter Komponist war. Er schrieb mehrere Opern, vertonte mit "The Fairies" das erste Musiktheaterstück auf William Shakespeares "A Midsummer Night's Dream" und komponierte, ganz nach dem Vorbild seines Meisters, Cembalosuiten. Sechs dieser Suiten hat Julian Perkins eingespielt; und was zunächst wie eine Kuriosität anmutet, entpuppt sich rasch als hinreißende Sammlung barocker Tänze, die sich auch wunderbar als Tafelmusik eignen.


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