Mediaforschung Verführungskolumne

Im ersten Bezirk stehen Plakate, und sie sind nicht auf Deutsch

Medien | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 37/15 vom 09.09.2015

Wie viel Emotion ein Wahlplakat in nichtdeutscher Sprache auslösen kann, konnte man im Nationalratswahlkampf 2013 im TV-Duell zwischen dem SPÖ-Spitzenkandidaten Werner Faymann und seinem blauen Herausforderer Heinz-Christian Strache sehen. Damals zückte der FPÖ-Chef ein Taferl, auf dem ein SPÖ-Plakat auf Türkisch zu sehen war. Ein rotes Parteimitglied hatte es in Eigenregie entworfen.

Der SPÖ-Spitzenkandidat - im Hauptberuf Bundeskanzler der Republik - verlor die Fassung. Seine Stimme überschlug sich. Der Wahlkampfmoment führte dazu, dass der türkischstämmige Wiener Turgay Taskiran die Liste "Gemeinsam für Wien" gründete, die heuer bei der Wien-Wahl antritt. Doch es ist eine andere Bürgerliste, die nun im Wahlkampf fremdsprachige Plakate affichiert. Nämlich "Wir im Ersten" des EX-SPÖlers Karl Newole. "EU-Citizens! You are entitled to vote on October 11", steht da. "We want your input and international experience to preserve and improve the center of Vienna!"

Newole richtet sich an eine Zielgruppe, die bei der Kommunalwahl ebenfalls ein Stimmrecht hat, aber von anderen Parteien stiefmütterlich behandelt werden: nichtdeutschsprachige EU-Bürger. Im Zentrum Wiens sind sie offenbar eine relevante Größe. Der Aufruf erfolgt sicherheitshalber auch auf Französisch und Italienisch. Das ist ein Schritt in Richtung Weltoffenheit. Noch mutiger wäre es gewesen, auf Kroatisch, Ungarisch oder Slowakisch zu werben. Auch diese EU-Bürger liefern guten Input.


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