Nachgetragen Journal mehr oder weniger bedeutender urbaner Begebenheiten

Beratung von Mensdorff-Pouilly: Nach beiden Seiten offen

Politik | Josef Redl | aus FALTER 38/15 vom 16.09.2015

Noch immer ist sie unbeantwortet, die letzte Frage in der Millionenshow: Was hat Alfons Mensdorff-Pouilly für die Telekom Austria getan, um sich ein Honorar in der Höhe von 1,1 Millionen Euro zu verdienen? Verhandelt werden diese und andere Fragen derzeit am Landesgericht für Strafsachen in Wien.

Alfons Mensdorff-Pouilly und der ehemalige Telekom-Vorstand Rudolf Fischer sind dort wegen Untreue (bzw. der Beitragstäterschaft zur Untreue) angeklagt. Beide weisen die Vorwürfe zurück. Die Beratungstätigkeit von Mensdorff-Pouilly soll mündlich erfolgt sein, und kaum jemand in der Telekom habe Bescheid gewusst. Das Projekt, im Rahmen dessen Mensdorff-Pouilly seine Tätigkeit entfaltet hat, trägt den Namen "Tetron" und datiert aus dem Jahr 2003. Damals wurde vom Innenministerium ein neues Behördenfunknetz ausgeschrieben. Eigentlich war der Auftrag bereits an ein Konsortium rund um Siemens Österreich vergeben worden. Unter der schwarz-blauen Regierung wurde der Auftrag neu ausgeschrieben. In diesen Monaten bewirtete Alfons Mensdorff-Pouilly - Ehemann der damaligen Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat - eine Reihe von Entscheidungsträgern aus Telekom und Innenministerium auf seinem Jagdanwesen in Schottland und im Burgenland. Den Zuschlag erhielten Motorola und Alcatel mit der Telekom Austria als Zulieferer. Und Mensdorff-Pouilly 1,1 Millionen Euro. Sein Honorar wurde von der Telekom aus Gründen der Diskretion erst im Jahr 2008 überwiesen.

Laut Rudolf Fischer floss die Million, weil die Telekom zwar Zulieferer, aber nicht Partner des Konsortiums sein wollte. Diese Änderung soll Mensdorff-Pouilly Motorola schonend beigebracht haben. Ex-Motorola-Manager Carlos Sartorius erklärte vergangene Woche als Zeuge, für Motorola wäre dies ohnehin kein Thema gewesen, bei dem es der Überzeugung bedurft hätte. Das muss Mensdorff auch gewusst haben: Sartorius sagte aus, dass auch Motorola die Dienste von "Graf Ali" in Anspruch genommen hatte.


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