Menschen

Völlig Wurst!

Falters Zoo | M. Dusini, J. Redl, K. Wasner, B. Wittstock | aus FALTER 38/15 vom 16.09.2015

Das Sommerloch ist ja so was von Geschichte, wir sind wieder vollzählig in Wien. So stolperten wir also vergangenes Wochenende durch die Stadt von einem Urban-Spaß zum Nächsten. Der Karlsplatz war gleich Zweifachschauplatz. Einerseits zelebrierte man hier streetfoodbegeistert das "Fest der Wurst" (ohne Conchita) oder wie der Essen-von-der-Straße-erprobte Ur-Wiener sagt "des Wurschtfest", andererseits und nur ein paar Schritte weiter huldigte man beim Buskers Festival der Straßenkunst und konnte an sechs Spots Akrobaten, Musiker, Feuerkünstler und Pantomimen beklatschen. Kilted Colin, ein messerwerfender Schotte, der am Ende seiner Show auf seinem Einrad das Geheimnis um das "Drunter beim Kilt" lüftet, war der Held des Tages.

Früher stand er ja mehr auf's Erdige. Tätowierte Matrosen im Ruderleiberl, punkige, übergewichtige oder alte Models, schwarze Plastikmüllsäcke auf Haute-Couture-Schauen und so Zeug. Inzwischen ist der französische Modedesigner Jean Paul Gaultier nicht mehr ganz so schrill unterwegs: Die Mainstream-taugliche Conchita Wurst ist jetzt seine Muse und plötzlich sind auch die kitschigen Glas-Steinchen von Swarovski super: Gaultier hat längst seinen eigenen, selbstdesignten Glitzerstein - nicht ganz so fein geschliffen und halt doch ein bissl edgy. Am Montagabend enthüllte er dann vor Wiener VIPs im Swarovski-Laden auf der Kärntner Straße seine neu entworfenen Bling-Bling-Installationen. Yo, Jean Paul!

Einige Bezirke weiter stieg die Biorama Fair Fair. Erstmals in der Ottakringer Brauerei, konnte man beim Bio-Street-Food-, Fashion-und Designmarkt erst zart gegrillte Schaben verkosten, um sie hinterher wahlweise mit Reisdrink, Biowein oder Craft-Bier runterzuspülen. Bei spannenden Talkrunden wurden dann doch noch ein paar Food-Mysterien angesprochen: Gastro-Kollege Florian Holzer erörterte zum Beispiel mit Erich Hofer von Fair Hunt, warum wir mehr Wildsau essen sollten, auch wenn sie nicht bio ist. Am Ende des Tages durfte man noch in einem Tesla sitzen. K.I.T.T. war's nicht, aber die Welt retten ist trotzdem cool.

Ganz Kunstwien strömte am vergangenen Donnerstag zusammen, um der Eröffnung von Curated by beizuwohnen. Das ist ein Ausstellungsprojekt, das jeden Spätsommer in 20 Wiener Galerien stattfindet. Künstlerinnen und Kuratoren, Kritiker und Sammlerinnen drängten sich in die Galerie Christine König, wo eine Bar zum Kunstwerk erklärt wurde. Damit das Ganze nicht zu sehr nach Spaß ausschaut, haben die Künstler des Kollektivs Cointemporary.com die Einnahmen aus dem Wein-und Bierverkauf kurzerhand einem guten Zweck gewidmet, der Betreuung von Flüchtlingen.

Wer jemals den Weg vom Stadtpark zum Eislaufverein gegangen ist, der hat sie durch die Schaufenster sehen können. Die traurigen Touristengesichter in dem traurigen Lokal, das im Erdgeschoss des Hotel Intercontinental auf der Lothringerstraßenseite sein Dasein fristete (es hieß übrigens "Mediterraneo"). Seit Montagabend vergangener Woche bietet sich an derselben Stelle ein weitaus freundlicheres Bild: "Parlor", das Neue, ist mit feinen Möbeln von Vitra und einer kontrastreichen (weil völlig schwarzweiß gehaltenen) Tapete von Thomas Zeitlberger ausgestattet. Zum Testessen kamen - eh klar - Intercont-Direktorin Brigitte Trattner, Hotel-Eigner Michael Tojner, Vitra-Boss Marcus Schulz, Künstlerin Eva Schlegel, Vienna-Design-Week-Chefin Lilli Hollein und DJ Peter Kruder.


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