Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

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Falter & Meinung | AT | aus FALTER 38/15 vom 16.09.2015

Ein Gerücht bot den Anlass zu einem Interview mit Hannes Androsch. Der ehemalige Kronprinz Bruno Kreiskys musste mitansehen, wie sein ehemaliger Mitarbeiter den Posten des Bundeskanzlers einnahm: Franz Vranitzky. Wie oft in solchen Fällen ist man einander nicht mehr besonders geneigt.

Das Gerücht sei aus der Umgebung Vranitzkys gekommen, versicherte Androsch Bernhard Odehnal und Thomas Seifert ziemlich grantig. Er solle auf der Liste der Freiheitlichen Partei im nächsten Wiener Wahlkampf kandidieren. Unsinn, sagte Androsch, er sei in vierter Generation Sozialdemokrat. So ein Gerücht solle ihm schaden, aber auch der Wiener SPÖ.

Androsch sagte Vranitzky eine Wahlniederlage und Streichungen beim Parteitag voraus. Der Nachfolger stehe schon bereit. Es kam dann anders. Vranitzky gewann die Wahl und blieb Kanzler. Androsch hatte sich aber nicht selbst ins Spiel bringen wollen: "Meine Karriere in der SPÖ wurde schon 1981 abgeschlossen. Ich strebe kein politisches Amt und keine politische Funktion an."

Der Verseschmied der Kronen Zeitung, Wolf Martin, schrieb in einem Verslein über "Kreuzentferner an den Schulen / () Gruppen von verrückten Schwulen". Das hätte er besser nicht getan, denn prompt outete ihn die bis dahin ruhige Homosexuellen-Initiative Hosi als Altmitglied. Der Falter, vorsichtig geworden, weil bereits zwei Klagen Martins gegen ihn liefen, befragte den Reimer zu seinem Outing und erhielt folgende Antwort: "1.) Ja, ich war bei der Hosi, 2.) ich habe niemals Abträgliches über Schwule pauschal geschrieben. Hochachtungsvoll, Wolf Martin."

Die Ausgabe gewann politisches Gewicht durch einen Vorabdruck aus dem neu bearbeiteten Essay des Schriftstellers Josef Haslinger, einer der wichtigsten Publikationen der Waldheim-Jahre (erstmals erschien er 1987).

Da wollte das Feuilleton nicht nachstehen und brachte ein Gespräch von Sigrid Löffl er mit dem Schriftsteller Christoph Ransmayr über dessen neuen Roman "Morbus Kitahara".


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