Fragen Sie Frau Andrea

Wo liegt welcher Balkan?

Kolumnen | Andrea Maria Dusl | aus FALTER 38/15 vom 16.09.2015

Liebe Frau Andrea,

nachdem ich selbst mit meiner Recherche nicht weitergekommen bin, bitte ich Sie um Aufklärung. Seit einigen Wochen geistert der Begriff Westbalkan durch die Medien. Angeblich sind das die Länder Mazedonien, Kosovo, Albanien und Serbien. Wo ist dann der Süd-, Nord-und Ostbalkan? Vielen Dank für Ihre Bemühungen, mit freundlichen Grüßen

Elisabeth Schmidt, Wien, per E-Mail

Liebe Elisabeth,

für Metternich war die Sache klar. Für ihn begann der Balkan schon am Rennweg. In strenger Deutung dieses Bonmots markiert der Hochstrahlbrunnen den Beginn des Westbalkans, liegt er doch am Beginn der westlichen Straßenseite des Rennwegs. Auf der Route in Balkantiefen folgen westlicher Hand das Heldendenkmal der Roten Armee, das Sommerpalais des Fürsten Schwarzenberg, das Untere Belvedere, das Kloster der Salesianerinnen und schließlich der Botanische Garten der Universität Wien. Metternich wird indes auch anders kolportiert. Demnach handle es sich nicht um den Rennweg, sondern die Landstraße, und dort habe für Metternich nicht Europas Südosten begonnen, sondern gleich ein ganzer Kontinent. Asien nämlich. Treffsicherer erscheinen die Einschätzungen von Winston Churchill, er bezog sich auf den Balkan als geschichtlichgeografisches Kontinuum und nicht als ferne Kulisse für Polemik. Der Balkan, "Europas weicher Unterleib", wird der Britenpremier zitiert, produziere mehr Geschichte, als er lokal konsumieren könne. Der Begriff Balkan soll von den Protobulgaren stammen, auf Bulgarisch bedeutet das Wort "Berge". Es soll vom persischen Wort bālkāneh (hoch, oben) kommen und während der osmanischen Herrschaft in die türkische Sprache übernommen worden sein. Die Balkanhalbinsel wird durch Adria, Ionisches Meer, Ägäis, Marmarameer und Schwarzes Meer begrenzt. Als nördliche Grenze werden Donau und Save angenommen, bisweilen auch die Luftlinie Triest-Odessa. Der Begriff Westbalkan wurde auf dem EU-Gipfel im Dezember 1998 in den europapolitischen und sozialwissenschaftlichen Diskurs eingeführt. Er umfasst Bosnien und Herzegowina, Montenegro, die Republiken Kroatien, Serbien, Kosovo und Albanien sowie FYROM (Former Yugoslav Republic of Macedonia). Balkane anderer Himmelsrichtungen sind in der politische Lingo noch nicht aufgetaucht.


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