Die Literaturlieblinge lesen uns vor

Clemens J. Setz und Vea Kaiser lesen aus ihren neuen Büchern

Steiermark | MARIA MOTTER | aus FALTER 38/15 vom 16.09.2015

Die beiden gehören zu den populärsten österreichischen Autoren zurzeit, und doch könnten sie unterschiedlicher nicht sein: Vea Kaiser und Clemes J. Setz lesen diese Woche in Graz. Mit "Die Stunde zwischen Frau und Gitarre" ist Anfang September erneut ein Roman von Setz in einem Volumen von eintausend Seiten erschienen. Exakt 1021 Seiten sind es, und die deutschsprachigen Literaturkritiker sind damit erst einmal beschäftigt, was man live via Social Media nachverfolgen kann. Dorothea Studthoff twittert etwa unter Wolfseule und kommentiert das Buch unter @1000SeitenSetz. Sie macht Tocotronic-Zitate ausfindig und diskutiert mit anderen Lesern. Unter ihren Lesern wiederum ist Clemens J. Setz (@clemenssetz), der sich mit Antworten und seinem schier unendlichen Wissen auf den unglaublichsten Gebieten einbringt.

Der Grazer Autor erkundet die Welt und schaut für seine Arbeit auch dorthin, wo es wehtut und menschliches Verhalten verstört. Für Die Zeit etwa hat er sich Propagandavideos des sogenannten Islamischen Staats angesehen und Fan-Fiction zu Anne Frank gelesen. Unheimliches, Abgründiges und Zärtliches kündigen schon die Buchrücken seiner Werke an. Von "Liebe als Manipulation und Rache", wie es Setz' Verlag Suhrkamp kurzfasst, erzählt "Die Stunde zwischen Frau und Gitarre". Eine junge Behindertenbetreuerin hat es mit einem neuen Klienten zu tun, der wiederum mit einem eigenwilligen Besucher konfrontiert ist. Es handelt sich dabei nämlich um einen Mann, dessen Frau der Klient einst in den Tod getrieben haben soll. Und auch Betreuerin Natalie kann mit allerlei Macken aufwarten. Setz liest im Literaturhaus erstmals aus seinem neuen Wälzer, das Literaturhaus bestreitet damit den Auftakt in die neue Saison.

Vea Kaiser indes erzählt mit ihrem dieses Frühjahr erschienenen Roman "Makarionissi oder Die Insel der Seligen" eine opulente Familiengeschichte. Aus einem Bergdorf an der griechisch-albanischen Grenze führt die Handlung nach Deutschland, in die USA, nach Österreich, in die Schweiz und auf die fiktive griechische Insel Makarionissi. Mit ihrem Debütroman "Blasmusikpop oder Wie die Wissenschaft" wurde Kaiser 2012 schlagartig bekannt, für viele war das Buch ein Lesevergnügen. Bei der dreitägigen Reihe "Literatur Pur" im Grazer Orpheum übernimmt sie einen Abend, ebenso Eva Rossmann und Valerie Fritsch. Letztere ist wie Clemens J. Setz für den Deutschen Buchpreis nominiert, der am 12. Oktober verliehen wird.

Lesung Clemens J. Setz, Literaturhaus, Graz, Mo 19.00; Lesung Vea Kaiser, Orpheum, Graz, Do 20.00


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