Film Neu im Kino

Whatever(est): kurzatmiger Höhenrausch

Lexikon | EVA KLEINSCHWÄRZER | aus FALTER 38/15 vom 16.09.2015

Von denen, die auszogen, den höchsten Berg zu bezwingen. Mann (und eine Frau) gegen Natur, das ist der Leitgedanke des Films. Überlegen ist Letztere, nicht nur inhaltlich, sondern auch als eigentliche Hauptrolle des Films. Ganz im Sinne eines Kinos der Attraktionen liegt das Augenmerk auf der Zurschaustellung spektakulärer Bilder und während dabei der Berg für sich steht und in all seinen Facetten inszeniert wird, gehen Seilschaften und Inhalt in weißem Rauschen unter.

Als Sujet dienen Berichte über ein Bergunglück, bei dem 1996 eine Expedition in ein Unwetter gerät und ein Teil der Gruppe ums Leben kommt. Im Gegensatz zu bisherigen filmischen Auseinandersetzungen mit dem Mount Everest im Allgemeinen und dieser Begebenheit im Besonderen bemüht sich die Version 2015 nicht mehr nur um Dokumentation und penibel genaue Nachstellung, sondern vor allem um die Bildoberfläche per se. Das Geschehen wird nicht mittels Voice-over kommentiert, Dialoge und sonstige Gesprächsfetzen gehen zusehends im Schneesturm oder im Rauschen der Funkgeräte unter. Auch die Charakterisierung der Figuren bleibt in weiten Teilen bei Plattitüden und so verschwimmen die einzelnen Darsteller zu einem Konglomerat aus bunten Schneeanzügen.

"Everest" (Regie: Baltasar Kormákur) steht dafür umso mehr im Zeichen der Bemühungen um ein viel propagiertes Kinoerleben, das neue Techniken zugänglich machen sollen. Und so findet man sich wahlweise in einer Gewitterwolke, umgeben von dreidimensionalen Blitzen und dröhnendem Donner oder als Gipfelstürmer inmitten hochauflösender Panoramen.

Eine Lesart ohne narrativen Tiefgang. Sensuell ein kurzatmiger Höhenrausch.

Ab Fr in den Kinos (OF 3D im Artis und Haydn)


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