Stadtrand Urbanismuskolumne

Vorbei die schönen Zeiten

Stadtleben | Birgit Wittstock | aus FALTER 38/15 vom 16.09.2015

Das war er also: der Sommer 2015. Mag sein, dass noch ein paar sonnige, warme Tage bevorstehen, doch die schönen Zeiten sind für heuer endgültig vorbei. Die Vorzüge des Sommers liegen für den Wiener nämlich nur bedingt im Tragen kurzer Hosen und im Schanigartensitzen. Auch fein, klar. Der wirklich großartige, entspannende Aspekt dieser Jahreszeit aber ist die Urlaubssaison. Nicht der eigene Urlaub, sondern vielmehr der der anderen lässt das Herz des Großstädters und gequälten Öffinutzers höherschlagen: wenn man morgens in die U-Bahn steigt. Einfach so. Ohne einen zweiten oder gar dritten Zug abwarten zu müssen, um sich mit Müh und Not irgendwie ins Innere eines Waggons quetschen zu können. Ohne dass sich einem zig Ellenbogen in die Rippen stoßen und ohne dass man erbittert um einen Haltegriff kämpfen muss oder sich eingedenk plattgetretener Zehen wünscht, man hätte Stahlkappen in den Schuhen.

Jetzt, da der Fight um einen Stehplatz wieder Alltag ist, gedenkt man wehmütig jener Wochen, in denen sogar das Lesen eines Großformats möglich war.


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