Ins Mark Der Kommentar zur steirischen Woche

Das kann ein Aufbruch werden

Steiermark | Gerlinde Pölsler | aus FALTER 38/15 vom 16.09.2015

Die Ereignisse der letzten Tage muten seltsam an: Da tritt Peter Pakesch, künstlerischer Geschäftsführer des Universalmuseum Joanneum und damit des zweitgrößten Museums Österreichs, vorzeitig ab. Die Öffentlichkeit erfährt davon bloß zufällig, nur wenige Tage, bevor der Vertrag schon enden soll. Offi ziell verkündet den Abgang dann Christian Buchmann, der Kulturlandesrat; der scheidende Intendant selber ist nicht dabei. Der Sparkurs des Landes hat auch das Joanneum voll getroffen, die Folgen reichten bis zum Einschränken der Öffnungszeiten. Pakesch klagte des Öfteren, er sei am Limit. Dies und das eher kühle Verhältnis zum Landesrat dürften ihm den Abschied in Richtung Maria-Lassnig-Stiftung erleichtert haben. Die Neuerungen, die Buchmann und Wolfgang Muchitsch, der allein verbliebene (wissenschaftliche) Geschäftsführer, ankündigen, weisen aber in eine gute Richtung. Die Leitung des Kunsthauses wird endlich als eigene Stelle ausgeschrieben. Bislang war diese immer mit anderen Funktionen verquickt. Pakesch sollte einerseits als Kunsthaus-Chef (bis 2011 offi ziell, seither de facto) diesem ein Profil verpassen und zugleich als UMJ-Chef für das Gesamtmuseum entscheiden. Das ist schwierig zu vereinbaren.

Auch wirkte die bisherige Konstruktion stark in Richtung Vereinheitlichung. Alle Häuser mussten beim Jahresmotto mitziehen, das der künstlerische Leiter vorgab, alle Publikationen hatten gleich auszusehen. Nun sollen die einzelnen Abteilungen autonomer arbeiten dürfen. Vor allem die Neue Galerie kann aufatmen. Nach dem Streit zwischen Pakesch und Weibel zurückgestutzt, soll sie ihr Profil wieder schärfen dürfen: eine vielfach herbeigesehnte Korrektur.


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