Kunst Kritik

Bazardüfte auf weißem Marmor versprüht

Lexikon | NS | aus FALTER 38/15 vom 16.09.2015

Wie eine Fata Morgana" erscheinen der Kuratorin Myriam Ben Salah die Luxusbauten, die in den arabischen Emiraten mit den Ölprofiten aus dem Boden gestampft werden. Die im Palais du Tokyo in Paris tätige Ausstellungsmacherin wurde von der Galerie Steinek eingeladen, bei der diesjährigen Ausgabe von curated by_vienna eine Schau zu gestalten. Nun glänzen auf allen Fenstern der Galerie Innenansichten protziger Architekturen. Das Kollektiv GCC aus Dubai hat darauf kommerzielle Werbedisplays geklebt, die in arabische Hotels und Shoppingmalls führen. Sich selbst haben die Künstlerinnen und Künstler in Porträts über der Tür verewigt, und zwar verkleidet als Scheichs.

Angesichts des Festivalmottos "Tomorrow Today", das dem Verhältnis von Kunst und Ökonomie nachgeht, thematisiert "Like The Deserts Miss The Real" den turbokapitalistischen Drive der Region. Gut funktioniert der Kontrast zwischen Prunk außen und Leere innen: Die erste Wahrnehmung ist nur ein zarter Duft von Orient. Raja'a Khalid lässt ein Raumparfum versprühen, das in der Schweiz patentiert und in Indien produziert wurde, um die Stimmung von Tausendundeiner Nacht zu verbreiten.

In einem Video ist eine verschleierte Frau zu sehen, die ein Autowrack rosa anstreicht. Die Künstlerin schafft mit der Aktion "Saudi Automobile" ein Symbol für den Stillstand, herrscht doch in ihrem Heimatland Fahrverbot für Frauen. Gesellschaftskritische Fragen werfen auch die gelungenen Arbeiten von Marwa Arsanios aus Beirut auf. Für eine Performance hat sie sich die Zukunftsvisionen eines ägyptischen Magazins aus den 1960er-Jahren vorgenommen, sie gelesen, geschreddert und eine Art Rock daraus kreiert. Ist doch an die Stelle antikolonialer, pan-arabistischer Visionen ein konsumistischer Golf-Futurismus getreten.

Galerie Steinek, Do 19.00, bis 5.12.


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