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Die Glosse vom Falter

Falter & Meinung | aus FALTER 38/15 vom 16.09.2015

Von Jeremy Corbyn zirkuliert nach seiner Wahl zum Labour-Chef ein Foto, das den 66-jährigen Politiker in kurzen Hosen und Sneakers zeigt. Die Revolte von 1968 hat das Recht auf Hässlichkeit durchgesetzt, aber nicht für sozialdemokratische Parteikader -bis jetzt. Corbyns Look signalisiert das Ende politischer Modekonventionen, nun auch in Großbritannien.

In einem Land, in dem sich Fuchsjäger in Tweed und Cord vom Jeanspöbel abheben, wirkt Corbyns modetechnische Nonchalance wie eine geballte Faust. Die mit dem Designer Paul Smith verbundene Lässigkeit, die New Labour in den 90er-Jahren zur Norm machte, ist Vergangenheit. Die Styleexzesse der Jahre der Creative Industries wandern ins Museum der Popgeschichte und machen der Zwanglosigkeit grau-roter Socken Platz. Uncool ist das neue Cool Britannia.

Nur mit der Wahl von Nike für seine Turnschuhe zeigt Corbyn wenig Klassenbewusstsein. Die waren nämlich bereits in der Zeit von Tony Blairs Arbeiterpartei das Symbol neoliberaler Ausbeutung.


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