Am Apparat Telefonkolumne

Warum schreiben Sie ein Haider-Buch, Herr Petzner?

Politik | Interview: B. Tóth | aus FALTER 38/15 vom 16.09.2015

Stefan Petzner war Pressesprecher von Jörg Haider und machte nach dessen Unfalltod als "Haiders Lebensmensch" Schlagzeilen. Dann wurde es ruhig um ihn. Sieben Jahre nach Haiders Tod hat der 34-Jährige, der inzwischen als Politik- und PR-Berater in Wien lebt, ein Buch mit dem mehrdeutigen Titel "Haiders Schatten" veröffentlicht.

Herr Petzner, Ihr Buch erregt große Aufmerksamkeit. Zieht der Name Haider also immer noch?

Ich habe mit diesen Reaktionen ehrlich gesagt gerechnet. Haider war nun einmal eine große politische Persönlichkeit, wie Bruno Kreisky oder Franz Josef Strauß. Über alle diese werden Bücher veröffentlicht. Kritiker, wie etwa die Kärntner FPÖ, die mir nun "Leichenfledderei" vorwirft, irren deshalb. Man darf, ja man muss über Haider schreiben. Es ist keine Abrechnung, sondern eine kritische Auseinandersetzung mit ihm. Deshalb habe ich auch sieben Jahre gewartet, bevor ich anfangen konnte, es zu schreiben.

Sie sehen Ihr Buch also als Zeitdokument?

Haider war ein Mensch, der zwar immer ein Notizbuch bei sich hatte, um sich bei Sitzungen Dinge aufzuschreiben, aber kein Tagebuch führte und auch sonst wenige persönliche Quellen für die Forschung hinterlässt. Ich sehe mein Buch deshalb auch als zeithistorisches Dokument

Hat die Familie Jörg Haiders das Buch vorab zu lesen bekommen?

Nein. Ich habe sie über einen Bekannten darüber informiert, dass es dieses Buch geben wird und was darin stehen wird. Ich persönlich habe keinen direkten Kontakt zur Familie. Das wäre wohl möglich, will ich aber nicht.

Was würde Haider heute, angesichts der Flüchtlingskrise, tun?

Das, was auch Heinz-Christian Strache macht: Grenzkontrollen und den Heeresassistenzeinsatz fordern und die Stimmung für sich nutzen.


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