Sport Glosse

Der Ball stieg auf den Thron und lächelte

Stadtleben | Johann Skocek | aus FALTER 38/15 vom 16.09.2015

Franz Beckenbauer ist 70, das ist Majestätsbeleidigung. Könige mögen altern, der Kaiser nicht. Seine Lebensgeschichte hat keinen Ablauf, sie besteht aus Attributen und Rollen, die sich spielen und ergänzen. Der Libero Beckenbauer ist genial und der Netzwerker und Geschäfteanbahner global. Er vermittelte den Deutschen, stets nur er selbst, also sie selbst, zu sein. Sie sind zweifacher Weltmeister, fünffacher Vater, Fußball-Pythia und Lobbyist in eigener, also nationaler Sache. Seine tiefe Weisheit über den Fußball sagt stets das, was wir hören müssen. Wenn ein Ball je Ecken hatte, dann seiner, das größte gemeinsame Vielfache aus Deutschland, Bayern und Lochpass. Von einer Weltreise brachte er einst sich selbst, also die WM 2006, heim. Seither blickt er vom Thron, auf dem wir alle sitzen, herab, und doziert das ewig junge Sommermärchen des Lebens.

Johann Skocek über den Kaiser Franz Beckenbauer


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