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Falter & Meinung | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 38/15 vom 16.09.2015

Wir schreiben Woche eins nach dem Abschied des stillen Helden. Am schlimmsten hat es Birgit Witt stock erwischt, sie sitzt mit roten Augen im großen Stadtleben-Zimmer, die Taschentücher aus der Packung liegen angeschnäuzt im Mistkübel. "Mistkübel", das ist so ein Wort, das hätte Christopher Wurmdobler auch so gesagt. Wurmdobler, der hinterm Bodensee mit Worten wie "Mülleimer" aufwuchs und sich den Wiener Dialekt mit deutschem Zungenschlag antrainierte, ist weg. Auf zu neuen Donauufern. Bis er wiederkehrt, wird noch viel Wasser über unsere Wangen hinunterfließen.

Dabei verabschiedete er sich eh so rücksichtsvoll wie möglich. Schaute noch Tage nach seinem letzten Arbeitstag im Büro vorbei, so als wäre eh alles ganz normal. Sitzt plötzlich neben einem in der Straßenbahn und lacht fröhlich, als sei gar nix gewesen. Schmeißt ein Abschiedsfest, das sich so anfühlt wie die wöchentliche Stammtischrunde beim Wirtn. Spontan, herzlich, gesellig, stilvoll, bescheiden. Eine Party wie er selbst. Sympathisch und super halt. Sein Motto: Nur kein Drama.

Was bleibt, ist Drama. Und Wurmes Vermächtnis. Er prägte den Falter leise und lange. Setzte Maßstäbe im kreativen Schlagzeilenbasteln, pflegte das Wienerische und erweiterte es beständig. Worte wie "Mahü" (Mariahilfer Straße) standen zuerst im Falter und dann in allen anderen Blättern, weil es Wurme gab, der sie zum ersten Mal hinschrieb. Jetzt ist der Mann mit dem Bart gegangen. Wir werden seine Spuren in der Marc-Aurel-Straße nicht verwischen.


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