Der Rhythmus der Füße

Der Erfolg des ÖFB-Nationalteams ist nicht nur dem Talent von Teamchef Marcel Koller geschuldet. Es gibt auch ganz andere Gründe

Stadtleben | Erklärung: Johann Skocek | aus FALTER 38/15 vom 16.09.2015


Foto: APA/Robert Jaeger

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Mitten in der zweiten Halbzeit stürmt ein Schwede in den Strafraum der Österreicher. Der Ball schwebt in Nabelhöhe vor ihm. Sänke es auf eine erreichbare Höhe herab, würde der Angreifer das Objekt Richtung Tor der Österreicher dreschen. Rechts neben ihm holt der österreichische Verteidiger Aleksandar Dragović mit dem rechten Fuß aus. Für Sekundenbruchteile schwebt ein Strafraumfoul über dem Match. Der Elfmeter und der Anschlusstreffer der Schweden könnten dazu führen, die Partie zu kippen. Doch dazu kommt es nicht. Dragovic spitzelt mit einer beinahe zärtlichen Bewegung den Ball von des Gegners Bauch, ohne diesen auch nur zu berühren.

„Der Rhythmus ist ursprünglich ein Rhythmus der Füße“, schreibt Elias Canetti in „Masse und Macht“. Im Verlauf des Abends in Solna nahe Stockholm bot Österreichs Mannschaft einige tänzerische Einlagen. Da war der Mini-Lochpass David Alabas, den Marc Janko zum 3:0 verarbeitete. Oder der Fersler von Marko Arnautović für Jakob Jantscher, dessen Stanglpass vorbei an mehreren fassungslosen Schweden und vor Martin Harniks Füße rollte – 4:0. Das ÖFB-Team qualifizierte sich mit einem 4:1-Sieg (Ibrahimović musste in der Nachspielzeit noch sein Goal machen) für die Euro 2016 in Frankreich.


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