Geile Bilder, planlose Ausstellung: Mark Leckey in der Secession

Feuilleton | Kunstkritik: Matthias Dusini | aus FALTER 38/15 vom 16.09.2015

Die Kunst des britischen Künstlers Mark Leckey, 51, erinnert an einen Experimentalfilmer der 60er-Jahre, der auf einem Rave der 90er-Jahre Ecstasy konsumiert hat. Im Hauptraum der Secession ist eine Reihe von LED-Bildern zu sehen, die blinken wie eine elektronische Werbetafel am Piccadilly Circus: eine animierte Szene aus Disneys Pinocchio, eine Dragqueen, der Vollmond oder ein ekstatisch tanzender Jugendlicher.

Die grellen Lichtpunkte der LED-Screens erlauben keine Versenkung in die Sujets, sondern lenken den Blick auf die Hardware. So wie die Filmavantgardisten den Apparat - den Projektor und das Zelluloid - in den Mittelpunkt ihrer Projektionen stellten, überlagert auch bei Leckey die Technik das Bild. Und so wie die stroboskopartigen Lichteffekte eines Tony Conrad psychedelische Effekte auslösten, wirkt auch Leckeys verhuschter Schatten aus Pinocchio wie der Ausschnitt aus einem bösen Drogenrausch. "Das sind die Loops in meinem Kopf, und die Kunst eine Art Exorzismus dagegen", erklärt der Künstler.

Seit er 2008 den Turner-Preis gewann, gehört Mark Leckey zu den bekannten Künstlern Großbritanniens. Das Münchner Haus der Kunst widmete ihm Anfang des Jahres eine große Schau. Im Zentrum seiner Wiener Ausstellung steht eine neue Arbeit über das Standbild aus einem Billy-Wilder-Film. Das Foto zeigt einen knienden Mann in Tupfenkleid, der andächtig die Hände faltet. Das Heiligenbild wird variiert: in Prints, auf einem LED-Screen und einem Ölgemälde von Alessandro Raho.

Einige ältere Filme Leckeys, etwa "Fiorucci Made Me Hardcore"(1999) über die britische Tanzkultur, sind in einem eigenen Raum zu sehen. Hier zeigt er seine Fähigkeit, die audiovisuelle Reizung der Youtube-Generation in eine künstlerische Form zu bringen. Die Ausstellung insgesamt wirkt planlos und bruchstückhaft, wie das Hinterzimmer einer Galerie. Ein Stück red carpet hätte dieser geballten Ladung LED-Glamour gutgetan.

Bis 1.11. in der Secession


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