"Keleti ist unser Lichtermeer"

Die Bilder aus Ungarns Lagern sind erschütternd. Wo bleibt die Zivilgesellschaft? Unser Autor lebt in Budapest und hat sie gefunden. Notizen aus dem Demokratie-Notstandsgebiet

Beobachtungen: Bernhard Knoll/Budapest | Politik | aus FALTER 38/15 vom 16.09.2015

Mahdi, der 15-jährige Schüler aus Kunduz, der mit seinem Fußballteam über Herat und Teheran nach Budapest geirrlichtert war, ist in Malmö angekommen. "Please come and help us", schrieb Mahdi noch vor einigen Tagen aus dem Aufnahmelager Bicske, in das er - vermeintlich auf dem Weg zur österreichischen Grenze - verfrachtet wurde.

Wir hatten ihn und seine Kickertruppe getroffen, als sie unter dem Budapester Herbsthimmel am Einschlafen waren. Da saßen sie im Gras, in schmutzige Decken gehüllt, im Johannes-Paul-II.-Park, einen Straßenzug vom Ostbahnhof entfernt. Der Trainer entschuldigte sich, dass er uns keinen Tee anbieten könne. "Ungarn ist nicht gut zu uns", meinte Mahdi damals.

II.

Bahnhof Keleti: Die Helfer hier tragen keine Kerzen über den klirrend kalten Wiener Heldenplatz wie damals, sie schlichten warme Kleidung und Schuhwerk, richten mobile WLAN-Stationen ein, baden Kleinstkinder. Für jeden klatschenden Wiener am Westbahnof gibt es hier Menschen, die Filmprojektoren im Freien

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