"Sie sind jetzt einfach da"

Der deutsche Politologe und Syrien-Experte Volker Perthes über die Ursachen der Flüchtlingswelle und die Notwendigkeit, mit dem Assad-Regime zu verhandeln

Politik | Interview: Florian Klenk | aus FALTER 38/15 vom 16.09.2015

Wer flüchtet da zu uns und warum gerade jetzt? Und wie wird man den Krieg in Syrien beenden? Volker Perthes, Leiter der Berliner Stiftung für Wissenschaft und Politik, zählt zu den besten Kennern der geschundenen Region. Er berät den Deutschen Bundestag und die Bundesregierung zu außen-und sicherheitspolitischen Themen. Soeben hat er im Suhrkamp-Verlag einen vielfach gepriesenen Essay über "Das Ende des Nahen Ostens, wie wir ihn kennen" vorgelegt. Er vertritt darin die These, dass wir einen Zerfall der regionalen postosmanischen Ordnung erleben, aber noch niemand in Sicht ist, der eine neue Struktur aufbaut. Man müsse nun auch den Iran und Saudi-Arabien als Ordnungsmächte in die Pflicht nehmen.

Falter: Herr Perthes, in Österreich sind in den letzten Wochen fast 16.000 Flüchtlinge über die Grenze gekommen und nach Deutschland weitergereist. Warum gerade jetzt?

Volker Perthes: Wir erlebten in den letzten Wochen Zuströme aus drei großen Regionen: Zunächst kamen Bewohner der westlichen


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