Eine Stadt lernt stehen

Mit dem Abgang der Museumsleiter Wolfgang Kos und Dietmar Steiner geht eine Ära zu Ende - die 80er. Erinnerungen an Szenelokale, Schulterpolster und Wiens Aufbruch in die Gegenwart

Feuilleton | Befragung: Matthias Dusini | aus FALTER 39/15 vom 23.09.2015


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Als China-Cool in Wien landete, waren alle da. Der Gastronom Thomas Kiang sperrte 1985 im Stadtzentrum das Restaurant Kiang auf, das gleichzeitig Szenetreff und Manifest einer zeitgemäßen Gestaltung war. Der Entwurf des Architekten Helmut Richter öffnete den Raum zur Straße hin. „Das Schockierende war, dass man in der Auslage gesessen ist“, erinnert sich Dietmar Steiner, Leiter des Architekturzentrums Wien. Und ja, natürlich sei er bei der Eröffnung gewesen.

Statt auf die aus chinesischen Lokalen vertrauten Plastikdrachen griff Richter auf Low-Budget-Materialien, etwa monochrome Plastikplanen, zurück. Ohne auf formale Bezüge zur lokalen Tradition zu achten, setzte der Gestalter eine futuristische Raumkapsel in den Altbau. Wolfgang Kos, Direktor des Wien Museums: „Kiang war Anti-Gemütlichkeit, eine New-Wave-chinesische Künstlichkeit, in der ich mich sehr wohlgefühlt habe. Mit mehr Feeling konnte man Trash nicht inszenieren.“


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