Stadtrand Urbanismuskolumne

Dinge, die wir verloren haben

Stadtleben | Birgit Wittstock | aus FALTER 39/15 vom 23.09.2015

Der Fortschritt bringt vor allem eines: Bequemlichkeit. Sei das nun im Falle des Feuerzeugs, der Waschmaschine oder später der Fernbedienung für das TV. Großartige Erfindungen, die dem Menschen Arbeit erspart und Lebenszeit geschenkt haben. Ähnlich großartige Errungenschaften der letzten Jahrzehnte waren Internet und Mobiltelefon. Super Sachen, die. Und wie immer, wenn der Stärkere gewinnt, hat der Schwächere von der Bildfläche zu verschwinden. Das ist passiert: In ganz Wien findet man kaum noch eine öffentliche Telefonzelle, und auch die Postkastln werden immer weniger. 1200 sind es angeblich nur noch. Stadtweit. Angesichts von digitaler Kommunikation, Lieferservice und Paketboxen könnte man sagen: Eh wurscht!

Dem ist aber nicht so, denn mehr als 13 Prozent der Wiener wählen im analogen Zeitalter noch postalisch. Sie haben Wahlkarten beantragt. In Zahlen heißt das: 2010 haben fast 156.000 Personen per Brief gewählt, demgegenüber gibt es bislang nur 31.000 Anträge für die Online-Wahl. Das heißt weiter, dass für die Wien-Wahl 93 analoge Postkastln aufgestellt werden.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige