Enthusiasmuskolumne Diesmal: Die beste Freizeitbeschäftigung der Welt der Woche

Von Sex und Sport circa gleich weit entfernt

Feuilleton | Klaus Nüchtern | aus FALTER 39/15 vom 23.09.2015

In den Hundstagen dieses Jahres, die bis zum 1. September am Programm standen und genauso unerträglich waren wie die Hundstage 2014, 2013, 2012 und 1911, ging gar nichts mehr, nicht einmal Schwimmen. Schwimmen bei 28 Grad Wassertemperatur, das ist so ähnlich wie Tischtennis in kochender Marillenmarmelade - braucht keine Sau. Jetzt, wo sich die Luft gnädigerweise um 15 bis zwanzig Grad abgekühlt hat, kann man sogar wieder an Sex denken und von mir aus auch an Sport.

Die Beschäftigung, die von Sport und Sex circa gleich weit entfernt ist, nennt sich Minigolf. Da geht's ums Einlochen, aber - Hand aufs Hosentürl - es ist echt nicht sonderlich sexy. Und trotzdem geil!

Gibt es Menschen ohne Minigolferfahrungen und -erinnerungen? Wenn ja, dann sind das entweder ganz arme oder ganz schlechte Menschen. Minigolf, das ist die zenbuddhistische Herausforderung für a) Typen mit extrem knapp bemessenem Geduldsfaden sowie der natürliche Lebensraum von b) Menschen mit wahrer Herzensbildung; was sich darin manifestiert, dass b) mit gelassenem Grinsen den Sieg von a) hinnimmt und diesem dennoch das Gefühl gibt, sein Bestes gegeben zu haben. Ich weiß, wovon ich rede, weil der wunderbare Siegi Mattl jede Partie gegen mich verloren hat.

Minigolf ist bezwingend uncool, die Alternative zum Boule der Bobos. Man kann diesen "Sport" mit Bierdose in der Hand und Zigarette im Mund an praktisch allen wirklich guten Orten der Stadt ausüben: im Wasser- und im Donaupark, im "echten" und im Böhmischen Prater. Selbstverständlich empfehle ich wie in fast allen Belangen letzteren, weil man sich dort nach dem Match in der Süßen Tram einen Erdbeerspieß checken, mit dem "Riesenrad" fahren und hernach im Bierstadl versumpern kann.


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