Film Tipp

Rebellion, Liebe und Schmerz: "Chucks"

Lexikon | Sabina Zeithammer | aus FALTER 39/15 vom 23.09.2015

Mae ist ein wildes Mädchen: Mit ihren Punk-Freunden zieht der Teenager nachts los, um zu sprayen, wohnt in einem besetzten Haus und wacht schon einmal zwischen Bierdosen und Tschikstummeln auf dem nackten Boden eines Spielplatzes auf. Mae ist auch ein trauriges Mädchen: Den Tod ihres Bruders Sebastian hat sie nie überwunden, das Verhältnis zu ihrer Mutter ist zerrüttet.

Sebastians Schuhe, die Mae immer noch besitzt, geben Sabine Hieblers und Gerhard Ertls "Chucks", der Verfilmung des gleichnamigen Romans von Cornelia Travnicek, seinen Titel. Im Zentrum steht eine Liebesgeschichte: Nach ihrer Verhaftung muss Mae Sozialstunden im Wiener Aids-Hilfe-Haus leisten. Hier lernt sie Paul kennen, der sich von Maes rebellischer Art nicht abschrecken lässt -die beiden werden ein Paar. Als sich Pauls Gesundheitszustand verschlechtert, bleibt Mae unbeugsam an seiner Seite.

Das Regieduo übersetzt die verschachtelten Zeitebenen der Vorlage in einen chronologischen Verlauf mit Rückblicken in Maes Kindheit, die Emotionen, die der Roman in Ichform transportiert, in eine intensive Bildsprache. "Chucks" psychologisiert dabei nicht, sondern überlässt es den Zuschauern, Hintergründe auszudenken. Eine schöne Offenheit, die komplexen Figurenverhältnissen Raum gibt.

Auch die Stimmung des Films ist vielschichtig, rau und witzig, romantisch und tieftraurig. Eine Prise Düsternis des österreichischen Kinos mischt sich darunter, wenn beim Weihnachtsessen zwischen Mae und ihrer Mutter die Ohrfeigen fliegen. In Erinnerung bleibt jedoch vor allem die Beziehung zwischen dem sanften Paul (Markus Subramaniam) und der lebenshungrigen Mae (toll in ihrer ersten Hauptrolle: Anna Posch), deren Entwicklung zur jungen Frau "Chucks" begleitet.

Ab Fr im Stadtkino im Künstlerhaus


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