Tiere

Pitralon

Falters Zoo | Peter Iwaniewicz | aus FALTER 39/15 vom 23.09.2015


Manche Wörter wirken immer seltsamer, je öfter man sie liest. Die Bezeichnung „kurios“ ist ein solcher Begriff, der in den Medien sehr gerne verwendet, aber oft mit fragwürdigem Sinn eingesetzt wird. Nach der ganzen mordsmäßigen Berichterstattung, den Tragödien und den Kurseinbrüchen will der Zeitungskonsument seine mürbgelesenen Augen gerne auch über leichte Nachrichtenkost gleiten lassen. Dazu gibt es dann kleine Meldungsschnipsel, die immer jenes Wort „kurios“ enthalten.

Das passt auch gut zu einem Verkehrsunfall: Das beliebte Kleinformat textete darüber letzte Woche ganz fröhlich: „Kurioser Unfall in Wien-Alsergrund: Just in dem Moment, als ein parkender Autolenker die Tür öffnete, stieß eine Frau mit dem Fahrrad dagegen.“ Echt kurios!

Der vom lateinischen Wort „curiositas“, Neugier, abgeleitete Ausdruck Kuriosum wird eigentlich für Personen, Tiere, Gegenstände oder Situationen verwendet, die seltsam, wunderlich oder komisch erscheinen. Das Wesen eines Kuriosums besteht – laut Wikipedia – „in der Verblüffung des Rezipienten, die durch ungewohnte oder überraschende Abweichungen von üblichen Verhaltensmustern oder Denkweisen entsteht“. Okay, verblüfft war die Radfahrerin vermutlich schon.

Aber auch die seriöse Süddeutsche Zeitung beschreibt in der eigenen Rubrik „Kurioses“: „In Indien musste ein Elefant aus einem stillgelegten Brunnen befreit werden.“ Dazu gibt es auch ein Video zu sehen, wo ein junger Elefant in Todesangst um sein Leben kämpft. Kurios, wie soll man das sonst nennen.

Kurioses gibt es auch in Österreich. Ein Juchtenkäfer „lebt just dort“, wo die Stadt Wien ein Rehabilitationszentrum für Burnout-Patienten errichten will. Das finden die kurios? Jetzt reicht’s doch auch mal. Wo wir uns doch schon an so vieles haben gewöhnen müssen. Mal sind es balzende Biber, die an dem Ort ihre Löcher graben, wo Menschen eine Parkgarage so dringend wie einen Schluck Benzin brauchen. Dann gibt es noch die ignoranten Floridsdorfer Ziesel, denen man sogar eine schöne Brücke zum Abwandern gebaut hat, die nun völlig unbenutzt nur Zeit und Raum überbrückt.

Der Juchtenkäfer erinnert körperlich an einen dunkel glänzenden Rosenkäfer und olfaktorisch an den Herrenduft „Russisch Leder“. Den Geruch kennt doch eh keiner mehr, da kann dieser Käfer doch bitte schön auch aussterben. Echt kurios, oder?


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