Kunst Tipp

Kollision mit Jörg: Kennzeichen "K666"

Lexikon | NS | aus FALTER 39/15 vom 23.09.2015

Am gruseligsten war die Begegnung mit Jörg Haider: Mit blutigem Gesicht steuerte der Politiker als Wiedergänger sein Auto in dem ironischen Projekt "Graus der Geschichte" im Kollisionskurs auf die Geisterbahnbesucher zu. Im Rahmen des Kulturfestivals Wienwoche lud der Verein Malmoe in den Prater, wo deren Paraphrase auf das geplante Haus der Geschichte in der Hofburg inszeniert wurde. Die Große Geisterbahn war der Schauplatz der so witzigen wie kurzweiligen Tour durch die - gern verdrängten - Momente nationaler Historie, die am Heldenplatz unterschlagen werden könnten.

Bei dem kritischen Veranstaltungsreigen, der noch bis 3.10. läuft, steht Subversion auf der Tagesordnung. So wird der Boxsport unterwandert, wenn das Projekt "The Jewish Renaissance Boxing Club" im einstigen Maccabi-Turnsaal an die Tradition jüdischer Sportclubs erinnert und die Handschuhe mit queer-feministischer Schlagseite anlegt. Am 24.9. gibt es tatsächlich ein Boxtraining, und ab 20 Uhr findet eine Lecture-Performance von Marty Huber zum Link zwischen jüdischen und queeren Identitäten statt.

Im Weltmuseum wird am Freitag Barbara Staudingers Installation "Juden schauen" mit Fotos und Exponaten der völker- und volkskundlichen Sammlungen eröffnet. Der blutigen Kolonialgeschichte hinter dem Weltmuseum widmet sich die Ausstellung "Wer hat Angst vor dem Museum?", bei dem lateinamerikanische Künstlerinnen und Künstler auch performen werden. Im Vindobona erinnert die Show "Kleynkunst" an die Kabarett- und Musikszene der Zwischenkriegszeit und im Odeon Theater wird am 27.9. das Musikdrama "Lampedusa" uraufgeführt, das Dieter Kaumann aus Fragmenten des Elfriede Jelinek-Stücks "Die Schutzbefohlenen" sowie Material aus Gesprächen mit Asylsuchenden gestaltet hat.

Diverse Orte, bis 3.10.


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