Wunderbare Hybride

Was war zuerst da, der Text oder das Bild? Brigitta Falkner zeigt eine Schau ihrer Werke

Steiermark | Maria Motter | aus FALTER 39/15 vom 23.09.2015

Graphic Novel, Bildgedicht und illustriertes Sachbuch, all das wird Brigitta Falkners nächstes Buch. Es wird den Titel "Strategien der Wirtsfindung" tragen. Drei Seiten daraus dienen der Wiener Autorin und Künstlerin als Vorlage für einen Film, der am Mittwoch bei der Eröffnung ihrer Ausstellung "Ganz kleines Kino" im Literaturhaus Graz gezeigt werden wird.

Es geht in ihrer jüngsten Arbeit um Transformationsprozesse, die anhand parasitärer Systeme dargestellt werden. "Text und Bild kontaminieren und überwuchern einander, sodass man nicht mehr weiß, wer Wirt und wer Parasit ist", gewährt Brigitta Falkner eine kleine Vorschau auf den Film. Damit beantwortet sie jene Frage, die sich beim Betrachten ihrer Werke aufdrängt: Was war zuerst da, ein Bild im Kopf oder ein Satz?

Das sind Hybride und infektiöse Gebilde", sagt Brigitta Falkner. Das Layout für das Buch "Strategien der Wirtsfindung" entwickelte sie diesmal aus dem Film heraus. Eine Kurzversion des Films findet sich auf der Onlineplattform Vimeo, wie viele weitere fertiggestellte Filme Falkners.

Bild und Text zusammengefügt, das begegnet einem heute im Internet ständig, etwa in der einfachen Form als Meme. Den Wandel von analogen zu digitalen Präsentationstechniken spiegelt die Ausstellung zusätzlich wie nebenbei (Eintritt ist frei). Die Werkschau hat Falkner nahezu im Alleingang zusammengestellt. "Ich wollte mir selbst wieder einmal einen Überblick verschaffen", erklärt sie die Auswahl der gezeigten 200 Exponate aus mehr als zwei Jahrzehnten ihres Schaffens. Von einer chronologischen Anordnung sah sie ab, das wäre ja langweilig. Mit der Sichtung des Bildmaterials war sie einen Monat beschäftigt.

Einen Schwerpunkt bilden die Videos und Filme. "Da ich ja keine Lesungen gebe, waren sie zunächst Möglichkeiten, meine Bücher zu präsentieren", sagt Falkner über ihren Zugang. Lesungen alleine findet die Künstlerin schlicht zu langweilig. Darum erstellte sie schon vor über 25 Jahren Diashows mit externen Tonzuspielungen. "Der Diawechsel erfolgte manuell. Blieb ein Dia hängen, liefen Bild und Ton asynchron, das war teilweise stressig", erinnert sich Brigitta Falkner schmunzelnd. "Die nächste Stufe war Powerpoint, auch nicht gerade eine elegante Lösung."

Mit Computerschnittprogrammen entstanden schließlich ihre ersten Filme, die auf ihren Büchern basieren. Es sind animierte Bildtexte und Storyboards, Partituren und Comics. Und alles andere als langweilig.

Literaturhaus Graz, bis 16.10., Eröffnung 23.9., 19.00


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