Kunst Tipp

Schachturniere und Schokoladenkunst

Lexikon | NS | aus FALTER 39/15 vom 23.09.2015

In der Christine König Galerie stehen nur ein paar Tische und Sesseln sowie eine Bar. Wer sich jedoch ins Netz unter der Webadresse einloggt, die an der Wand steht, kann dort Gemälde und Skulpturen unterschiedlicher Künstler sehen - allerdings nur, wenn man sich gerade vor Ort befindet. Die heurige Ausgabe des Galerienfestivals curated by_vienna widmet sich dem Verhältnis von Kunst und Ökonomie, das die Künstler Valentin Ruhry und Andy Boot mit ihrer Website Cointemporary schon länger hinterfragen. Dort werden jetzt Arbeiten von Kollegen angeboten, allerdings nur in der Internet-Währung Bitcoin. Ihr Budget verbraten die Künstler, um kluge Leute wie David Gryn und Harm van den Doppel einzuladen, die am 24.9. ab 19 Uhr über ihre alternativen Kunstverkaufsplattformen befragt werden. Jeweils Dienstagabend wird in der "Relational Changes" betitelten Schau Schach gespielt.

In der Galerie nächst St. Stephan läuft der krasse Film "Enjoy Poverty", den der Künstler Renzo Martens über das Elend im Kongo und dessen Ausbeutung durch westliche Medien und Organisationen gedreht hat. In jüngster Zeit hat der Holländer, der sein Publikum spaltet, afrikanische Plantagenarbeiter als Bildhauer präsentiert. Die Kakaoarbeiter stellten in Martens' Workshops Lehmskulpturen her, die in Belgien nach 3-D-Scans aus Schokolade hergestellt wurden und nun als Unikat oder als Edition gekauft werden können. Auch diese Schokoplastiken sind Teil der von Kolja Reichert kuratierten Gruppenschau "Produktion", die den Wert der Kunst klug umkreist. Etwa in den frühen Arbeiten von dem Performance-Pionier Franz Erhard Walther, von dem "100 Meter Seil" auf einem Sockel liegen. Nach dem Unterschied zwischen Luxusding und Kunstwerk fragt das Label Brace Brace mit dem exklusiven Rettungsschwimmreifen "Life Ring".

König, bis 17.10.; nächst St. Stephan, bis 24.10.


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