Historische Misstöne

Die Aufarbeitung über den Musikkunstraub in der NS-Zeit beginnt gerade. Eine wichtige Rolle dabei spielte der ehemalige Leiter der Sammlung alter Musikinstrumente

Politik | Rekonstruktion: Barbara Tóth | aus FALTER 39/15 vom 23.09.2015

Viktor Luithlen muss ein beeindruckender Mann gewesen sein. Er sei ein "nahezu pedantisch ordentlicher Beamter", ein "guter Kamerad", nur manchmal habe er Züge eines "hypochondrischen Egoisten". In Summe sei er aber ein verlässlicher Nationalsozialist, schrieb die Gauamtsleitung in Wien in ihr "politisches Gutachten" im Jahr 1943. Mit diesem Leumundszeugnis in der Tasche konnte der damals 42-jährige Luithlen seinen Traumberuf antreten. Er wurde Kustos der Sammlung alter Musikinstrumente im Kunsthistorischen Museum.

Der Name des 1987 verstorbenen Luithlen ist Liebhabern der Sammlung immer noch ein Begriff. Er gilt ihnen als Held. Gleich nach Ende des Zweiten Weltkrieges barg er die wertvollen Musikinstrumente und andere Kunstschätze des Kunsthistorischen Museums aus den Salzbergwerkstollen in Lauffen bei Bad Ischl und brachte sie zurück nach Wien.

Luithlen hatte davor, in der NS-Zeit, aber auch eine wichtige Funktion beim Raub und beim Abpressen wertvoller jüdischer Musikinstrumentensammlungen


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