Darwin-Prinzip an den Grenzen

Der Hindernisparcours, den Europa seinen Flüchtlingen aufzwingt, ist menschenverachtend und ungerecht


Kommentar: Sibylle Hamann

Falter & Meinung | aus FALTER 39/15 vom 23.09.2015

Beginnen wir mit einem Gedankenexperiment. Ein paar Wochen ist es her, dass Sie die Hoffnung auf ein Ende des Kriegs in Ihrem Land aufgegeben haben. Sie haben das Letzte, was von Ihrem Leben noch übrig war, verkauft - ein Auto vielleicht, ein Geschäft, ein Grundstück (viel bekommt man dafür nicht, wenn alles rundherum in Trümmern liegt) - und sich auf den Weg nach Deutschland gemacht. Mehrere lebensgefährliche Situationen sind inzwischen überstanden, fast alles Geld ist für Helfer und Betrüger draufgegangen, die Kräfte gehen zu Ende, die Schuhe sind durchgelaufen, als Sie endlich zur serbisch-ungarischen Grenze kommen.

Aber in dem Moment geht das Tor zu. Sie sind ein paar Stunden zu spät dran. Das heißt: Wieder Aufbruch, neue Route Kroatien, neue Grenzen, neue Uniformen, neue Regeln, es wird immer kälter in der Nacht, und eins der Kinder hustet schon stark. Kein Weg zurück, denn dort haben Sie ja gar nichts mehr. Und die quälenden Selbstvorwürfe beginnen. Hätte ich mehr

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