Kaiserschmarren

Ein neues Tacos-Lokal zitiert die Geschichte und bleibt dabei beliebig

Stadtleben | Lokalkritik: Florian Holzer | aus FALTER 39/15 vom 23.09.2015


Foto: Max & Benito

Foto: Max & Benito

Manchmal sperrt ein Lokal auf, und da hat man dann das Gefühl, genau dieses Lokal in den vergangenen 15 Monaten schon genau 40 Mal gesehen zu haben. Weil halt jedes Detail so ganz genau dem angesagten Mainstream entspricht und so ganz genau überhaupt keine Überraschung mehr hinter diesen Türen lauert.

Das neue nicht-überraschende Lokal der Woche nennt sich „Max & Benito“, stellt Max (Erzherzog Ferdinand, Maximilian I. von Mexiko, Bruder von Kaiser Franz Joseph I. und Marionettenkaiser von Napoleons III. Gnaden) und Benito (Juárez, mexikanischer Präsident und Gegenspieler Maximilians, warum eigentlich nicht gleich „Ben“?) als lustig gekritzelte Comicfiguren dar, spricht Englisch, bietet Tacos und Burritos und eröffnete vor zwei Wochen in einem coolen, leeren Lokal in der Wipplingerstraße gleich neben der Hohen Brücke.

Die groben Naturholztische und Bänke sehen genauso aus wie derzeit in jedem anderen Lokal, in die Auslagen kamen Sitzpulte, so wie in „Sex and the City“, die Vitrine/Theke in der Mitte des Lokals ist blau verfliest, über der Theke die schwarze Tafel mit der weißen Schrift, auf der man das Angebot ablesen kann und ohne die es derzeit offenbar keine Betriebsanlagengenehmigung gibt.

Das Prinzip, nach dem man hier zu essen bekommt, ist das amerikanische „Customer’s Choice“-System: Man kann sich sein Gericht in fast jeder Hinsicht individuell zusammenstellen, was natürlich ganz schön raffiniert ist, da es einem als Kunden einerseits Wahlfreiheit suggeriert, andererseits auch die Verantwortung beim Kunden belässt – wenn’s nicht schmeckt, bist du leider selber schuld.

So schwierig ist’s dann aber eh nicht, Ketten wie Chipotle machen das seit über 20 Jahren. Konkret hat man zuerst einmal die Wahl zwischen dem Grundprinzip: Großfladen Burrito, der gefüllt und eingerollt wird (€ 6,90), Taco (Tortilla, mit Füllung belegt, gefaltet gegessen, € 2,50 pro Stück), Burrito Bowl (Füllung im Teller, ohne Fladen € 6,90) oder Salat (der mit diversen Füllungen belegt werden kann, € 6,90); dann die Füllungen: gegrilltes Huhn, geschmortes Huhn, geschmortes Schwein, „Beef Barbacoa“, eine Art Pulled Beef, und Grillgemüse; dann noch Bohnen, schwarz oder weiß, Guacamole, Reis, Salsa, Romano-Salat, Rahm und Koriander, also auch alles genauso wie bei Chipotle. Das lässt man sich dann in den großen Teigfladen füllen – und hat einen weichen, faden Burrito.

Was soll man sagen, der Erfolg ließ nicht auf sich warten. Die Schlipsträger der Rechtsanwaltskanzleien rundherum, die Anlageberater, Key-Account-Managerinnen und Agentur-Kreativlinge bissen mit Inbrunst in die Teigrollen. Und Max & Benito wird sich sicher länger halten als das wunderbare Porcus nebenan, in dem man gesottenen Schweinerüssel zu tschechischem Bier bekam. So ist das Leben.

Resümee:

Ein neues Tacos-Burritos-Designer-Fastfood-Lokal mit nett gezeichnetem Logo und gefüllten Fladen, die niemandem wehtun.

Max & Benito,
1., Wipplingerstr. 23
Tel. 0660/372 22 18
Mo–Fr 11.30–19 Uhr
maxbenito.at


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