"UNSTERBLICHKEITSFANTASIEN"

Menschliche Arbeitskraft durch Maschinen zu ersetzen ist nicht neu. Kommt jetzt die Mensch-Maschine?


Interview: Josef Redl

Politik | aus FALTER 39/15 vom 23.09.2015

Der Kultursoziologe und Autor Thomas Wagner hat den technologischen Visionen des Silicon Valley nachgespürt. Und ist auf eine verstörende Science-Fiction-Ideologie gestoßen, die Mensch und Maschine verschmelzen lässt.

Falter: Sie schreiben in Ihrem Buch "Robokratie" vom Menschen als "Auslaufmodell". Auf dem Arbeitsmarkt ist das ein Problem. Verdrängt die Maschine den schlecht ausgebildeten Menschen?

Thomas Wagner: Genau. Solange wir als abhängig Beschäftigte, die nicht selber über die Produktionsmittel verfügen, gezwungen sind, unsere Arbeitskraft zu verkaufen, stehen wir unter einer permanenten existenziellen Bedrohung, insofern als Rationalisierungsschritte Arbeitsplätze kosten. Das ist nicht neu. Es scheint sich abzuzeichnen, dass selbst die dem Kapital nahestehenden Experten etwas bekommen, was wir in Deutschland Muffensausen nennen.

Also Angst. Vor der Frage, wie man mit den schlecht ausgebildeten, wegrationalisierten Arbeitslosen umgehen soll?

Wagner: Für die meisten Arbeitsmarktexperten

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