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Sehr Leading

Falters Zoo | Thomas Rottenberg, Barbara Tóth | aus FALTER 39/15 vom 23.09.2015

Auf ihrem Weg zu den Gipfeln aller 8000er dieser Welt habe sie einzig und allein für diesen Tag geübt, scherzte Österreichs Extrembergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner vergangenen Dienstagvormittag, als sie, begleitet von Journalisten und ihrem Sponsor Schoeffel, endlich ganz oben am Wiener Kahlenberg stand: "Das hier ist für mich tatsächlich eine Erstbegehung. Oder -es handelt sich ja um einen Berg - sagen wir Erstbesteigung."

Ohne Akklimatisationsphase (Kaltenbrunner war direkt aus Kärnten angereist), gleich über die anspruchvollste Route, den "Nasenweg", meisterte sie die 484 Höhenmeter ohne Sauerstoff, Träger oder Fixseile. Wenigstens kam die Mount-Everest-Besteigerin an diesem heißen Frühherbsttag ein wenig ins Schwitzen, ebenso wie ihr Gastgeber "Schoeffel"-Österreich-Chef Jürgen Nairz. Der "Gipfel" überraschte die Kärntnerin dann aber tatsächlich: "Ein wunderschöner Ausblick. Es ist hier wie auf jedem Berg: Man sieht die Welt wieder anders. Da kommt es nicht auf die Höhenmeter an."

Dienstagabend war Kaltenbrunner dann nicht dabei, als Jenny Fellner, Tochter von Wolfgang und Uschi Fellner und Herausgeberin der Frauenzeitschrift Madonna, im Palais Niederösterreich in der Herrengasse den "Leading Ladies Award" veranstaltete. Dieser Award ist eine Art Hybridveranstaltung, auf der sich die klassische Wiener Seitenblickegesellschaft (Jeannine Schiller! "Mausi" Lugner!) mit Politikerinnen (diesmal SPÖ-Bildungsressortchefin Gabriele Heinisch-Hosek und SPÖ-Gesundheitsressortchefin Sabine Oberhauser) mischen. Dazu kommt jedes Jahr ein Star aus Deutschland (heuer war das Mandy Capristo -Teil des Castingalbtraums Monrose und jetzt Sologesangswunder) und natürlich auch ein paar Models, die einen dann wieder daran erinnern, dass man wirklich sehr, sehr groß gewachsen sein muss, um in diesem Geschäft mithalten zu können.

Wirklich beeindruckend war die Moderatorin Silvia Schneider. Sie ist souverän, schlagfertig und charmant. Warum sie mit dem Sänger Andreas Gabalier liiert ist, versteht man am Ende des Abends noch weniger als vorher. Als alle acht Haupt-und zwei Nebenawards endlich vergeben waren (sehr verdient: die Modebloggerin und engagierte Flüchtlingshelferin Madeleine Alizadeh alias DariaDaria wurde "New Face of the Year") eilten Preisträgerinnen, Laudatorinnen und der Teil des Publikums, der geduldig genug war, über drei (!) Stunden auszuharren, erschöpft zum Mitternachtsessen.

Vielleicht kann Jenny Fellner (die Schneider als "Arbeitstier im Körper einer Elfe" bezeichnete) nächstes Jahr ein wenig auf die Redezeitdisziplin achten. Normalerweise verstehen sich Frauen ja besser als Männer darauf, sich kurz zu halten.

Hätten die "Leading Ladies" noch länger gebraucht, hätten sie doch glatt mit den historischen Dampf- und Pferdestraßenbahnen der Wiener Linien über den Ring nach Hause fahren können. Die hatten in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag nämlich zwischen eins und halb vier in der Früh ihre Generalprobe für ihren 150. Geburtstagscorso am 27. September. Neben wirklich, wirklich ausgesuchten Journalisten (es waren nur der Falter und der ORF vor Ort) fanden sich auch ein paar "Ferrosexuelle" ein -so nennen die Wiener-Linien-Beamten jene Trainspotter, die ein Faible für fahrende Oldtimer auf Schienen haben. Bei der eigentlichen Parade kommenden Sonntag werden sich rund 50 Fahrzeuge -von der Pferdetramway über die Dampftramway und den legendären Reichsbrückenbus bis zum modernen ULF -zwischen Schottentor und Schwarzenbergplatz im Schritttempo präsentieren.


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