Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Cashcow Falter

Falter & Meinung | AT | aus FALTER 39/15 vom 23.09.2015

Aus dieser schönen Ausgabe gäbe es manches zu zitieren. Etwa Roland Kobergs Porträt des Lesers Ferdinand Lacina, vor kurzem nach 13 Jahren als Finanzminister abgetreten. Oder Thomas Seiferts Bericht unter dem stolzen Titel "Telepolis" über die Digitalisierung der Gemeinde Wien. Oder Stephan Schulmeisters Abrechnung - erraten -mit den Sparplänen der Regierung. Oder Martin Staudingers Aufdeckung, dass österreichische Betriebe Landminen im größeren Maßstab herstellen.

Das alles muss hinter einem Zitat aus dem Vorwort zurücktreten, wo eine Preiserhöhung angekündigt wurde. "Lassen Sie mich heute namens der Eigentümer dieses Blattes Klartext reden. Sie kennen die politische Lage. Das Sparpaket wird aufgeschnürt, zugeschnürt, wieder aufgeschnürt. Wir geben zu, das macht uns Eigentümern Sorge. In den letzten Jahren ist es uns gelungen, den Falter nicht nur zu einem erfolgreichen, geliebten und bewunderten Produkt zu machen, sondern auch zu einer Cashcow erster Klasse.

Wir Falter-Eigentümer lassen uns weder die Milch dieser Cow sauer machen noch den Rahm davon abschöpfen. Wir fahren Mercedes (S-Klasse), Volvo, BMW und Ford Mustang (antique), wir wohnen in Eigenheimen, unsere Kinder studieren auf Eliteschulen. Wo wir Urlaub machen, wollen Sie lieber gar nicht wissen.

Wenn wir Veranlagung sagen, meinen wir nicht irgendwelche kinky Sachen, sondern Wertpapiere. Wenn wir von Paketen reden, dann nicht von Spar-, sondern von Aktienpaketen. Wenn wir vom Falter reden, dann reden wir nicht von einem verquer liberalen Projekt, dann reden wir von Profit. Mit Doppel-F und Doppel-T!

Das, liebe Leserin, lieber Leser, soll so bleiben. Also werden Sie hoffentlich einsehen, dass wir ab der nächsten Nummer unseren Einzelverkaufspreis um fünf Schilling auf 28 (achtundzwanzig) Schilling erhöhen. Ich hoffe, Sie nehmen diese direkten Worte als Beweis eines korrekten Verhältnisses zwischen Ihnen, den Leserinnen und Lesern, und uns, den Eigentümern." Das kommt nicht wieder.


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