Urbanes Betragen

Benimmfibel für Großstadtmenschen (233)

Stadtleben | aus FALTER 40/15 vom 30.09.2015

Herr R. möchte wissen, ob man heutzutage eine Kellnerin noch guten Gewissens "Fräulein" rufen darf.

Wenn Sie, werter Herr R., jenseits der 80 und beratungsresistent sind, dürfen Sie Kellnerinnen getrost mit "Fräulein" ansprechen - beherrschen Sie obendrein noch Schwyzerdütsch, dürfen Sie sogar nach der Saaloder Serviertochter rufen. Ansonsten nicht. So simpel ist das. Sind Sie nun einer von denen, die meinen, Fräulein wäre doch nicht weiter schlimm, so müssen wir Sie hier und jetzt eines Besseren belehren: Niemand möchte heutzutage über seinen Ehestatus definiert werden! Und ja: Hallo, Sie, könnte ich bitte Entschuldigung! Huhu, ich hätte bitte gern sind auch keine adäquaten Anreden. Wer emanzipatorisch etwas auf sich hält, müsste eigentlich nach der Frau Oberin rufen. Das könnte zwar in den Kantinen von Ordensspitälern zu einiger Verwirrung führen, aber überall sonst wären Sie auf der sicheren Seite.

Noch Fragen? stadtleben@falter.at


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