Buch der Stunde

Linker Kitsch von Che Guevara bis Hermann Hesse

Thomas Leitner | Feuilleton | aus FALTER 40/15 vom 30.09.2015

Auf dem Titelblatt prangt das Konterfei von Che Guevara auf einem kubanischen Oldtimer. So merkt der Leser unmittelbar, worum es geht.

Kitsch, ein Wort aus dem 19. Jahrhundert, hat international Karriere gemacht und ist als Fremdwort in viele Sprachen eingegangen. Wie lebendig er trotz des ironischen Umgangs damit in der Postmoderne und Bourdieus Analyse als Begriff der sozialen Distinktion durch die Elite ist, beweist der Sammelband "Linker Kitsch" mit brillanten Beiträgen von Germanisten, Kulturwissenschaftlern und Philosophen. Zunächst denkt man bei dem Begriff an die ungetrübte Feier des Schönen in Kunst und Kunstgewerbe. Aber auch das Erhabene kann übertrieben werden, etwa in politisch engagierten Werken. Nicht nur in Nazi-Kitsch und Retro-Romantik, sondern auch als Opferpathos und in zukunftsfroher Beschwörung des "Neuen Menschen" wird aus Kult dann Kitsch.

Dabei lässt sich beobachten, wie symbolische Beschwörungen von Einheit und Gemeinschaft aus dem rechten Spektrum von sich

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