Ein Vormittag in Ottakring

Wie geht das weiter mit den Flüchtlingen und der FPÖ? Wer kann sich in Wien noch das Wohnen leisten? Und wie gewinnt man die grantige Dame im 44er? Eine Straßenbahnfahrt mit dem Bürgermeister


Auf der Strecke: Florian Klenk
Politik | aus FALTER 40/15 vom 30.09.2015

Wo die Ottakringer Vorstadt in die Cottage übergeht, dort, wo der größte Gemeindebau der Stadt steht, der Sandleitenhof, da waren einst die Austria Email-Werke. Im Jahre 1901 beschrieb der Wiener Journalist Max Winter in seiner Reportage "Ein Tag in Ottakring", wie hier die Arbeiter lebten: "Um sechs Uhr morgens kriechen die menschlichen Ameisen aus ihrem Bau und ziehen in dichten Schwärmen zur Arbeit. Die Fabrikspfeife ertönt. Weit geöffnet sind die Thorflügel. Hinein schiebt sich die Masse der Leiber, verschwindet in berußten Gängen. (...) Zum zweitenmale schrillt der Pfiff durch die Luft. 'Alser, geh'n m'r's an!'"

Heute lebt hier im ehemaligen Fabriksgelände der Wiener Bürgermeister. Michael Häupl schreitet über die Wilhelminenstraße hinüber zur Sandleitengasse. Er sagt: "Griaß eich!" Wir fahren zehn Minuten mit dem Niederflurwagen des 44ers durch Ottakring. "Soll ich euch hier einweisen?", fragt er. Am Yppenplatz werden wir aussteigen und in aller Früh ein Bier trinken.

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