Film Festivaltipp

Let's Cee: Festival mit Minibudget &Riesenprogramm

Lexikon | MO | aus FALTER 40/15 vom 30.09.2015

Kino aus Osteuropa hat in Österreich traditionell keinen leichten Stand. Mit dem Let 's Cee Film Festival, das in den nächsten zehn Tage zum bereits vierten Mal in drei Wiener Innenstadtkinos stattfindet, hat man nun die Chance, sich einen Überblick über die aktuelle Produktion unserer östlichen Nachbarländer, der Türkei sowie der baltischen Staaten zu verschaffen.

Eröffnet wird das Festival, bei dem weit über 100 neue Produktionen gezeigt werden, mit "The High Sun" ("Zvizdan") des kroatischen Regisseurs Dalibor Matanić, der in Cannes den Preis der Jury gewann. Erzählt wird die Geschichte dreier Paare aus drei Dekaden, die jeweils von denselben Darstellern (Tihana Lazović, Goran Marković) gespielt werden. Stets ist die Liebe dieser Julia und dieses Romeo vom Scheitern bedroht, denn zwischen den Einwohnern ihrer beiden durch einen See getrennten Dörfer herrschen Hass und ethnische Vorurteile.

Neben den Spiel-und Dokumentarfilmwettbewerben, der u.a. Premieren von Malgorzata Szumowskas Berlinale-Erfolg "Body", Radu Judes harten Balkanwestern "Aferim!" oder die Flüchtlingsdoku "Destination Serbistan" von Altmeister Zelimir Zilnik bringt, widmen sich einzelne Specials vielversprechenden Debüts und dem Gesamtwerk des jungen Russen Yuri Bykov. Dazu gibt es ein umfangreiches Rahmenprogramm, bei dem u.a. der polnische Filmkritiker Tomas Raczek oder der tschechische Fotograf Jan Saudek eigene Master Classes halten.

Eine spezielle Empfehlung gilt der Schiene aus Anlass des Kriegsendes vor 70 Jahren, in der mit "Komm und sieh" ("Idi i smotri") von Elem Klimov eines der Meisterwerke des sowjetischen Kinos der 1980er wiederzusehen ist: Die tragische Geschichte einer zerstörten Jugend, erzählt anhand des Schicksals eines Zwölfjährigen in Belorussland 1943. Eine gewaltige Anklage gegen den Krieg.

1. bis 11.10. im Actors, Urania und Village


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