Der Himmel über Manhattan

Der Film "Homme Less" erzählt von Mark Reay, der auf einem Dach schlief, als die Wirtschaft zusammenbrach

Feuilleton | Begegnung: Stefanie Panzenböck | aus FALTER 40/15 vom 30.09.2015

Es ist Nacht in New York, Feuerwerke versprühen ihre grellen Farbkleckse, die Skyline leuchtet und schillert mit ihnen um die Wette. Auf dem Dach eines Hochhauses, in einem alten Liegestuhl, sitzt Mark Reay, ein gutaussehender Mann Mitte 50, in kurzen Hosen und nicht ganz zugeknöpftem weißem Hemd.

Er nimmt einen Schluck aus einer Bierflasche und sagt: "Willkommen in Manhattan! Willkommen bei mir zu Hause!" Später wird er auf dem Dach unter eine große Plane kriechen, sich eine Haube über den Kopf ziehen und der Welt da draußen eine gute Nacht wünschen. In der Früh wird er aufstehen, sich aus dem Haus schleichen, in einer öffentlichen Toilette rasieren und stylen und mit seiner Kamera Topmodels fotografieren, auf der Straße oder backstage bei einem Casting.

Reay (56), der in seinen 20ern selbst modelte, unter anderem für Versace, hielt sein Doppelleben, das er seit 2008 führt, vor seinem näheren Umfeld lange geheim. Zwar erzählte er manchmal flüchtigen Barbekanntschaften davon,


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