Tausend Scheitel für Wien

Daniela Kaner hat in der Leopoldstadt ein Geschäft für koschere Perücken eröffnet

Stadtleben | Besuch: Eva Konzett | aus FALTER 40/15 vom 30.09.2015

Als "Agata" frisch geschnitten und geföhnt dann sitzt, weiß Daniela Kaner, dass es kein Zurück mehr gibt. Nicht, dass sie im letzten Moment kneifen würde, nein, die junge Frau setzt ihre Pläne um. Sie ballt die Finger zusammen, wie so oft, wenn sie angespannt ist. Die Kundin blickt in den Spiegel, zupft am Hinterkopf herum, zieht "Agata" nach rechts. "Ich nehme sie!", sagt sie lächelnd. Die Perücke "Agata", blond, schulterlang, Größe Medium, ist die erste, die Daniela Kaner in ihrem Straßenlokal Pamonit im zweiten Bezirk verkauft.

Daniela Kaner, 22, ist Scheitelmacherin, seit dem Zweiten Weltkrieg die erste in Wien, und hat kürzlich ein Geschäft in der Leopoldstadt eröffnet. Scheitelmacherinnen, so nennen orthodoxe Juden die Frauen, die Perücken - den Scheitel - verkaufen und pflegen. Nach den Gesetzen der Thora müssen fromme Frauen, nachdem sie geheiratet haben, ihr Haupthaar mit Tuch oder Perücke bedecken. Es ist nur eine der Regeln der "Bescheidenheit"(Zniut), die fortan


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