Kommentar Burgtheater

Gute Zeiten für die Burg: Ein Plädoyer für Karin Bergmann

Falter & Meinung | Stefanie Panzenböck | aus FALTER 40/15 vom 30.09.2015

Die Burg steht gut da. Die Bühnenkunst ist wieder im Mittelpunkt des Interesses angelangt, Finanzielles und Künstlerisches werden getrennt voneinander betrachtet. Das hat mit der nicht mehr ganz so neuen Direktorin des Burgtheaters zu tun. Sie ist wohl das Beste, was dem Haus am Ring passieren konnte.

Als sich Karin Bergmann 1979 im Bochumer Schauspielhaus um die Stelle einer "Mitarbeiterin für das Direktions-und Dramaturgiebüro" bewarb, hielt sie ein "flammendes Plädoyer", wie sie in Interviews erzählte, warum sie "die Richtige" sei. Sie bekam den Job, Claus Peymann war damals Direktor in Bochum.

Wenige Jahre später begann sie, ebenfalls mit Peymann als Chef, ihre Karriere am Burgtheater, zuerst als Pressesprecherin, später als Vizedirektorin. Vor nicht einmal einem Jahr kehrte sie als Direktorin zurück. Höchste Zeit, ein Plädoyer für Karin Bergmann zu halten.

Vieles wollte man ihr nach ihrem Antritt vorwerfen: Sie sei selbst Teil des "alten Systems" und könne keine Transparenz walten lassen. Sie hätte eine Art Zusatzgehalt nicht versteuert und ihr Lebensgefährte, ein Architekt, habe ohne Ausschreibung Aufträge im Burgtheater bekommen.

Bergmann erklärte, wies zurück, blieb sachlich, agierte -transparent. Das Bemühen, der neuen Direktorin etwas nachzuweisen, war für kurze Zeit recht groß. Hängengeblieben ist gar nichts.

Mit ruhiger Hand und großer Leidenschaft führt sie das Theater, gleicht die Gräben zwischen Wirtschaftlichkeit und künstlerischem Anspruch aus. Das Nachspiel des Skandals hat schon nach dem ersten Jahr der Ära Bergmann auf der Burgtheater-Bühne keinen Platz mehr.


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