Mediaforschung Verführungskolumne

Die Ideenschmiede der FPÖ und ihre Blaupausen im Wahlkampf

Medien | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 40/15 vom 30.09.2015

Die Wahlforschung zeigt: Manche FPÖ-Wähler wollen sich nicht outen. Hetze, Korruptionsfälle, verurteilte Abgeordnete -mit dem Image der FPÖ will man lieber nichts zu tun haben. "Wählt so, wie ihr denkt", plakatiert die FPÖ nun in Wien. Sie will damit Zweifler mobilisieren. So wie im FPÖ-Wahlkampf vor 21 Jahren unter Jörg Haider. Damals hieß der Slogan: "Wählt wie Ihr denkt."

Es ist nicht die erste Blaupause der FPÖ. Schon zur vorletzten Jahrhundertwende wiegelte der Wiener Bürgermeister Karl Lueger das Volk mit dem antisemitischen Spruch "Groß-Wien darf nicht Groß-Jerusalem werden!" auf. 1990 plakatierte die Wiener FPÖ "Wien darf nicht Chicago werden!", 2005 machte Strache schließlich den islamophoben Slogan "Wien darf nicht Istanbul werden" daraus. Oder im Jahr 1994. Da lachte Jörg Haider mit dem Spruch "Sie sind gegen ihn, weil er für Euch ist" vom Plakat. Im Wahlkampf 2008 hieß es bei Strache: "Sie sind gegen ihn. Weil er für euch ist." Aus dem Beistrich war ein Punkt geworden. So viel künstlerische Freiheit musste dann doch sein.

Ist das Zufall? Nein. Die Haider-Wahlkämpfe machte Gernot Rumpold, jener Mann, der 2013 wegen Untreue und falscher Zeugenaussage drei Jahre Haft ausfasste (nicht rechtskräftig). Mitte der 1990er-Jahre lernte Herbert Kickl bei ihm. Jener Mann, der heute die Strache-Wahlkämpfe macht und in der "Kofferaffäre" eine zentrale Rolle spielt. 1990 warb die Haider-FPÖ übrigens mit dem Slogan "Die Unbestechlichen". Die Strache-FPÖ hat diesen Slogan bislang noch nicht kopiert.


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