Tiere

Pudelnackt

Peter Iwaniewicz ist überrascht, dass im Amazon-Ranking Kalender mit Pinguinen gleich nach Katzen, Hunden und Pferden auf Platz vier liegen

Falters Zoo | aus FALTER 40/15 vom 30.09.2015


Als gut organisierter Mensch bereite ich mich bereits jetzt auf die Zukunft vor. Was wird das nächste Jahr bringen, welche Trends sollte man unbedingt versäumen? Dazu hilft am besten ein Blick auf die neue Kollektion von thematischen Wandkalendern.

Beruflich scheinen demnach landwirtschaftliche Facharbeiter wieder sehr gefragt zu sein: „Im Kalender ‚Stallburschen‘ wird gefegt, gefüttert, gemistet, longiert, gesattelt und vieles mehr. Alle Bilder sind mit einem hohen Anspruch an die Authentizität der Arbeiten des Stallburschen erstellt worden.“ Unklar war mir bislang, dass diese Tätigkeiten offenbar nur nackt glaubhaft ausgeführt werden können.

Aber offenbar wird durch den Klimawandel textilfreies Arbeiten im ländlichen Raum immer notwendiger, und auch im „Erotischen Landmaschinenkalender werden Mähdrescher, Traktoren und Maisvollernter sexy und anregend von hübschen Landmädels präsentiert“. Die Erotik dieser Geräte führt zwar in sehr dunkle Ecken der Sexualität, aber wenigstens können sich die unbekleideten Frauen ihre Wäsche an den öligen Fahrzeugen nicht schmutzig machen.

Neben agrarischen Geil-o-mobilen werden Nacktaufnahmen von Tieren immer mehr nachgefragt. Platzhirsch auf diesem speziellen Markt ist weiterhin der Carponizer, ein Kalender für Fischfreunde: „Zwölf prächtige Karpfen werden mit nicht weniger attraktiven Frauen entsprechend dem Thema in Szene gesetzt.“ Von einem feuchten Traum würden aber nur unseriöse Kalenderproduzenten sprechen. Dem Trend zu Fotografien von unbekleideten Tieren mit ebensolchen Menschen folgten jetzt auch Berliner Veterinärmedizinstudenten. Aus gutem Grund und für einen guten Zweck haben sie mit „Ratten, Waschbären, Wollschwein, Schlangen und einem Waschbär“ posiert. Die Auswahl der Tierarten erscheint ein wenig zufällig, und es bleibt zu hoffen, dass die Idee, sich mit seinen Patienten auf Kalenderblättern abbilden zu lassen, nicht auch die Humanmedizin erreicht.

Wer aber kalendermäßig vorn mit dabei sein will, der lässt sich mit seiner individuellen Bakterienwolke verewigen. Eine Studie fand unlängst heraus, dass wir von Milliarden Bakterien umschwebt werden, deren Mischung jeweils genauso einzigartig ist wie ein Fingerabdruck. Damit die individuelle Persönlichkeit wirklich zur Geltung kommt, würde ich mich natürlich genauso nackt wie diese Kleinstlebewesen fotografieren lassen.


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