Stadtrand Urbanismuskolumne

Jedem seinen Supermarkt

Birgit Wittstock versteht angesichts türkischer Supermärkte, was das Wort eigentlich bedeutet

Stadtleben | aus FALTER 40/15 vom 30.09.2015

Zeige mir deinen Supermarkt, und ich sage dir, in welchem Bezirk du lebst. In den klimatisierten Feinschmeckerkaufhallen der Wiener Innenstadt ist beispielsweise allein die Schokoladenabteilung halb so groß wie ein ganzer Nahversorger in Meidling, und auch das Sortiment umfasst vermutlich gleich viele Artikel. Da gibt es Schokosorten, von deren Existenz man in den Arbeiterbezirken der Stadt noch nie etwas läuten gehört hat. Wozu auch? Wer würde hier schon zehn Euro für handgeschöpfte, edelbittere hundert Gramm ausgeben, wenn man um knappe zwei picksüße 300 bekommen kann? Man könnte jetzt natürlich diejenigen, die keinen Gourmet-Supermarkt vor der Tür haben, bedauern. Muss man aber nicht.

In diesen Gegenden gibt es nämlich etwas, das weder die exotischen Produkte, die Rewe & Co einfliegen lassen, noch die Leckereien in den Vitrinen diverser Spezialitätenläden aufwiegen können: türkische Supermärkte. Die haben die Bezeichnung Markt nämlich tatsächlich noch verdient. Das ist ein bisschen lustvolles Bazar-Feeling mitten im faden Wien.


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