Ins Mark Der Kommentar zur steirischen Woche

Krise ohne Management

Donja Noormofidi ist Redakteurin im Steiermark-Falter

Steiermark | aus FALTER 40/15 vom 30.09.2015

In einer Nacht-und-Nebel-Aktion wandelte das Innenministerium die Schwarzlhalle bei Graz von einer Transitunterkunft für durchreisende Flüchtlinge in ein Notquartier für Asylwerber um. Nun warten dort an die 900 Flüchtlinge, bis fixe Quartiere für sie gefunden werden. Das könnte Wochen dauern. Die Menschen schlafen Feldbett an Feldbett, ohne Privatsphäre, ohne Ruhe. Vergangene Woche berichteten Helfer über zu wenig Essen und kalte Duschen. Keiner konnte den Flüchtlingen Fragen zu ihren Rechten und Pflichten beantworten. Mittlerweile wurden die Probleme mit Duschen und Essen behoben.

Der Arbeiter-Samariter-Bund versorgt die Flüchtlinge so gut wie möglich, ohne die vielen Ehrenamtlichen geht gar nichts. Das sei eben eine "Notsituation", heißt es im Innenministerium, das für die Versorgung zuständig ist - die Menschen hätten sonst kein Dach über dem Kopf.

In dieser Situation wäre es umso wichtiger, dass Kommunikation und Zusammenarbeit klappen - doch danach sieht es nicht aus. Das Ministerium wollte in der Schwarzlhalle zunächst eine dauerhafte Asylunterkunft errichten, ohne beim Land auch nur Bescheid zu geben. Auch mit dem Pächter hatte keiner geredet, der stellt die Halle nun bis Anfang November zur Verfügung. Was dann passiert, ist unklar. Das Land sucht Quartiere, hinkt aber immer hinterher. Zudem besetze der Bund angebotene Plätze nicht, heißt es immer wieder. Und mehr als die Hälfte der Gemeinden hat noch immer keinen einzigen Flüchtling aufgenommen. Dabei müssen nun alle zusammenhelfen, um den Menschen in der Schwarzlhalle und jenen, die noch kommen werden, eine würdige Bleibe zu schaffen.


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