AN UNSEREN GRENZEN

Migration zeigt uns unsere eigene prekäre Lage. Wir sind in jeder Hinsicht gefordert. Auft akt zu einer Debatte

Politik | Essay: Armin Thurnher | aus FALTER 40/15 vom 30.09.2015


Illustration: AHAOK

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Der Winter kommt. Die Lage wird sich verschärfen. Es herrscht Angst. Wir spüren es. Die Massen, die in unsere Richtung wandern, zeigen uns: Wir sind in der Krise. Unsere Lebensweise ist in der Krise. Unsere Lebensweise ist die Krise. Unsere politische Existenzform sowieso. Die Flüchtlingskrise ist nur eine dieser Krisen, allerdings die aktuellste und eindrucksvollste, existenziell und unwiderstehlich. Da kommen wir nicht mehr heraus.

Unter uns, um uns herum grummelt es. Das Zeitalter der Angst, wie es der englische Dichter W. H. Auden nannte, ist keineswegs vorbei. Es lebt unter den Bedingungen globaler Fragmentierung gerade neu auf. Disruption lautet die Parole, Wandel durch jene Art der Innovation, die Geschäftsmodelle brutal durchbricht. Auch Demokratie (ein Alarmzeichen – man scheut sich schon zu sagen „unsere Demokratie“) ist ein prekäres Geschäftsmodell, dem immer gewaltsame Unterbrechung droht. Die große Flucht: Disruption kommt zu uns.


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