Menschen

Feiern allerorts

Falters Zoo | Josef Redl, Marianne Schreck, Simon Seher, Barbara Tóth, Birgit Wittstock | aus FALTER 40/15 vom 30.09.2015

Ozapft is! Das klingt in Wien nicht weniger nach gefährlicher Drohung als in München. Tausende Menschen in Tracht stehen dieser Tage allabendlich auf den Bänken und stemmen ihre Krüge (in Wien tatsächlich Krügerln, lachhafte halbe Liter) in die Luft, während sie die zeitlosen Bierzelt-Klassiker grölen: Bis 11. Oktober bemüht man sich, auf der Kaiserwiese im Prater das Münchner Oktoberfest nachzustellen. Bereits zum fünften Mal können sich hartgesottene Volksmusik- und Brauchtumsfans die Reise nach München sparen. Vorausgesetzt, sie geben sich mit der hiesigen Miniversion zufrieden. Den Bieranstich bei der Wiener Wiesn haben am vergangenen Donnerstag SP-Wohnbaustadtrat Michael Ludwig und der ehemalige Skifahrer und jetzige ORF-Kommentator Hans Knauss vorgenommen.

Ganz andere Baustelle: Lo-Fi-Pop, das ist die Spezialität des Ersten Wiener Heimorgelorchesters, kurz EWHO, mit der dieses bereits seit 20 Jahren die Wiener Szene mal im Akademietheater, mal im Rabenhof bespielt. Letzten Freitag war das Literaturhaus dran, wo sie ihren Gedichtband "Widerstand ist Ohm" musikalisch präsentierten. Die mittlerweile etwas ergrauten Boys Daniel Wisser, Jürgen Plank, Florian Wisser und Thomas Pfeffer nahmen es locker. Die Faxen aus Sprachspielen und minimalistischen Disco-Sounds fuhren in den sonst so heiligen Hallen des Literaturhauses besonders schräg ein; die Darbietung könnte man getrost als Germanistik-Infotainment bezeichnen. Sie reichte von avanciertem Nonsens wie dem Lied über das Wurst-Käs-Szenario bis hin zu so wunderbar unverhofften Sinnsprüchen wie "Wer sagt denn, dass Liebe guttut?". Die Männer vom EWHO haben offenbar gecheckt, was Sache ist. Bei ihrem nächsten Auftritt klären sie dann hoffentlich endlich die leidige Frage nach dem Sinn des Lebens.

Dass heuer Frankreich zum Gastland der Vienna Design Week ausgewählt wurde, erfüllte Lilli Holleins Eröffnungsgäste in der Ankerbrotfabrik mit großer Vorfreude. Das Institut Français d'Autriche weiß nämlich, was sich gehört, und brachte letzten Donnerstag ein paar Flaschen Champagner auf die Party mit. Frankreichs Botschafter in Wien, Pascal Teixeira da Silva, war natürlich auch anwesend und mit ihm viele französischsprachige Gäste, die der Fete über den Dächern der Stadt einen très chic Anstrich gaben. Dem stand auch der gastgebende Bezirk, Favoriten, in nichts nach. Der Rothneusiedler Schneckenzüchter Andreas Gugumuck servierte in einem der spektakulären Lofts Escargot, also Weinbergschnecke. Die Aussicht über das nächtliche Wien bewunderten neben vielen anderen Wien-Tourismus-Direktor Norbert Kett ner, Wirtschaftsagentur-Wien-Geschäftsführer Gerhard Hirczi, Unternehmer und Gründer der "Markterei", Thomas de Martin, TV-Moderatorin Eva Pölzl, Energieunternehmerin Eveline Steinberger-Kern und Edelwürstelstandler Josef Bitzinger.

Das Motto ist nach vierwöchiger Umbaupause also wieder offen. Und zur großen Re-Opening-Fete sind natürlich auch allerhand Leute gekommen. Unter anderen drängten sich -standesgemäß - Conchita Wurst, Christoph Feurstein, Alfons Haider, Uwe Kröger und Rapper Nazar ums Buffet oder, besser gesagt: um die Bar. Die neue Inneneinrichtung ist geschmacklich sicherlich nicht jedermanns Sache, weil wie gehabt plüschig - diesmal halt in Moosgrün - mit viel Kinkerlitzchen und Kitsch. Aufregen tut das einst als verrucht geltende Szenelokal heute aber schon lange nicht mehr. Da helfen auch weder die schwarz lackierten Puppen über der Bar noch die verpixelten Teletext-Pornos auf dem Klo oder die Nackedeienfrescos.


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