Film Neu im Kino

Märchen mit wahrem Kern: "A Royal Night"

Lexikon | Sabina Zeithammer | aus FALTER 40/15 vom 30.09.2015

Es ist der 8. Mai 1945, Victory in Europe Day. Die 19-jährige Prinzessin Elizabeth und ihre jüngere Schwester Margaret wünschen sich nichts sehnlicher, als inkognito den Feierlichkeiten in London beizuwohnen. Mutter Elizabeth und Vater George VI. lassen sich überreden.

Es ist eine wahre Geschichte, die Julian Jarrolds "A Royal Night -Ein königliches Vergnügen" zugrunde liegt. Ein kleines Abenteuer bis 1 Uhr früh ist für eine Kinokomödie allerdings zu wenig, weshalb die Ereignisse ausgeschmückt wurden: Kaum sind ihre Bewacher im Hotel Ritz abgelenkt, wirft Margaret sich in die Feierstimmung. Elizabeth bleibt nichts anderes übrig, als ihre Schwester zu suchen. Durch Menschenmassen, Pubs, Clubs, Bordelle und dunkle Gassen führt der Weg per Bus, Boot, Auto und zu Fuß. Begleitet wird die Thronfolgerin von ihrer Zufallsbekanntschaft Jack, einem jungen Soldaten, der dem Königshaus kritisch gegenübersteht.

Jarrold ist in seinem belanglosen, aber sympathischen Feel-good-Märchen redlich darum bemüht, keine Langeweile aufkommen zu lassen - und keine Stille: Flott tönt der Swing, Geigenklänge schmelzen zu Zeitlupenaufnahmen, die die Freude im Meer der Statisten einfangen. Lieblich lächeln die Prinzessinnen oder kräuseln ihre Augenbrauen, charmant blickt Jack, wenn er nicht gerade in eine Schlägerei verwickelt ist. Seine Geschichte nimmt schließlich weit mehr Raum ein als Elizabeths Luxusproblem, niemals "normal" sein zu können.

Ein nettes Detail ist die Minifortsetzung, die "A Royal Night" zu Tom Hoopers schönem Film "The King's Speech" darstellt. Es ist, als würde man die Familie einige Jahre später wiedersehen. Rupert Everett in der Rolle des Königs sieht man dagegen wie zum ersten Mal: Manche Schauspieler mögen Schönheitsoperationen.

Ab Fr in den Kinos (OF im Artis, OmU im Votiv und De France)


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