Fragen Sie Frau Andrea

Grant Turismo Iberico

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Kolumnen | aus FALTER 40/15 vom 30.09.2015

Liebes Internet, "wie schafft es das Café Bräunerhof, immer die grantigsten Kellner anzuheuern?" Florian Klenk, Twitterversum

"Da trage ich Schuld. Ich schätze die Grantigkeit der Bräunerhofkellner sehr und bestärke sie. Bin gegen siaßlnde Kellner." Andrea Maria Dusl, ebendort

"Liebe Frau Andrea, woher stammt eigentlich das Wort Grant? Ihr Leser", Internet

Lieber Leser aus dem Internet,

willkommen im Gesprächstechnikum von These, Antithese und Synthese. Auf der Suche nach dem Grant werden wir nicht nur im Innenstadtcafé Bräunerhof fündig, sondern auch bei seinem launischen Stammgast Thomas Bernhard, der diese überaus wienerische Befindlichkeit wie eine Exoprothese einzusetzen wusste. In anderen Gegenden als der Bitterwelt Bernhards wäre der Grant eine Sünde wider das Miteinander, im Wien der Ichleidenden ist er nicht die Krankheit, sondern ihr Remedium. Wer in Wien grantelt (und nur hier lässt es sich granteln), der ist schon auf die sichere Seite therapeutischer Sinnstiftung gekrochen. Der Grant ist tiefgefühlter Ausdruck ehrlichen Ringens um Güte. Man hüte sich, befindet man sich in Wien, vor der Lüge der Freundlichkeit.

Eine beliebte Herkunftshypothese will den Grant, die Miene gewordene Unzufriedenheit, in den Gesichtern der spanischen Granden ausmachen, die Wien im Zuge der habsburgischen Imperialexpansion aufsuchten. Nach dieser Erklärversion hätten die Wiener die blasierten und übelgelaunten iberischen Aristokraten als grandig, grantig wahrgenommen und die höfische Bezeichnung für die Hohen Herren flugs zur Vokabel für hiesige Stimmungswetterlagen gemünzt. Nur um Nuancen wahrscheinlicher ist eine Wortherkunft vom althochdeutschen "grintan", das nicht belegt ist und dem ein altenglisches "grindan", mit den Zähnen knirschen, zur Seite gestellt wird. Mit größerer Sicherheit kommt der Grant aber vom oberdeutschen "grennen", weinen. Hier schließt unser heute noch verwendetes Greinen an, das lautmalerisch noch stärker dem Weinen ähnelt und das leise in sich hineinflennen meint, ursprünglich aber wohl - wie das verwandte Grinsen - jegliche Form des Mundverziehens bezeichnete. Wir fassen zusammen: Einzig der Grant ist Glückes Garant.


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