Wieder gelesen Bücher, entstaubt

Karaseks Schlüsselroman

Politik | BT | aus FALTER 41/15 vom 07.10.2015

Hellmuth Karasek war ein Vielredner und Vielschreiber und Vielperformer. Vor allem aber war er ein geistreicher und ungemein witziger Beobachter seiner Umgebung. Auch wenn die Kritiker seinen satirischen Roman "Das Magazin" nicht liebten, ist er doch ein herrlicher Schlüssellochtext zum Verständnis der Innenwelt eines großen Nachrichtenmagazins. In Karaseks Fall geht es natürlich um den Spiegel, bei dem er von 1974 bis 1996 das Kulturressort leitete.

Wie er die zum Teil absurde Dynamik von Redaktionskonferenzen beschreibt, die Eitelkeit und Selbstgefälligkeit seiner Chefs, Revierkabalen und Redaktionslieben, Pannen wie Interviews mit Großautoren, bei denen das Tonband versagt (mit Günter Grass tatsächlich passiert), ist einfach ungemein witzig. Man liest es auch sentimental, weil die Art und Weise, wie in den 1980er- und 1990er-Jahren Magazine gemacht wurden, vor Facebook, Twitter und Instagram, inzwischen Medienzeitgeschichte ist.

Hellmuth Karasek: Das Magazin. Rowohlt, 1998,428 S., gebraucht ab € 50,-. Nachruf auf Karasek im Feuilleton S. 42


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