Film Neu im Kino

16 Stimmen zu einem Thema: "Sprache: Sex"

Lexikon | Sabina Zeithammer | aus FALTER 41/15 vom 07.10.2015

Die junge Frau, die ihren Partner nie verlassen würde, nur weil es im Bett nicht gut läuft. Der Franzose, der befürchtet, zwischen seinen Liebschaften "zerstreut" zu werden. Die Rothaarige, deren Freund es für ihren Geschmack viel zu selten tun will. Der alte Zeichner, der eigentlich lieber homosexuell gewesen wäre. Die Studentin, für die eine Beziehung nichts mit Treue zu tun hat.

Sie alle sind Protagonisten des Dokumentarfilms "Sprache: Sex" von Saskia Walker und Ralf Hechelmann, in dem 16 Berlinerinnen und Berliner im Alter zwischen 13 bis 74 Jahren ihre Gedanken und Wünsche zur Sexualität offenbaren. Die Interviews wurden grob in Themenbereiche gegliedert, die etwa die Bedeutung von Sex, das Verhältnis von Liebe und Sex, Erotik oder Scham umfassen. Auf statistische Daten oder Expertenstatements wurde verzichtet; die beiden Filmemacher bleiben im Hintergrund, auch die gestellten Fragen sind nicht bekannt.

Ein Interviewfilm der puristischen Art, der einerseits mutig und authentisch ist, denn auch das Stammeln und Überlegen sind Teil der Doku. Andererseits bleibt sie so reine Darstellung, die über das Beobachtete hinaus wenig Input und noch weniger Einordnung bietet: Nicht immer ist klar, worüber genau gesprochen wird bzw. was gemeint ist, oft reicht die Zeit zwischen den hastig durcheinandergeschnittenen Passagen nicht aus, um das Gesagte aufzunehmen.

Unterm Strich sind es 16 Fremde, die hier kurzweilig aus dem Nähkästchen plaudern, und Fremde bleiben sie. Wo es die Zuschauer interessiert, steigen sie ein, wo nicht, fließt die Sprache vorbei. Auf zukünftige Projekte des Regie-Paares darf man jedenfalls gespannt sein: Der "No-Budget-Film" soll der erste Teil einer umfassenden Auseinandersetzung mit dem Themenkreis sein.

Ab Fr im Filmcasino


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